Viktor Kaplan.
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treten wollten, selbst Einspruch gegen dessen Patentanmeldungen erhoben, 1 um sich zu überzeugen, wie weit die Patentansprüche hieb- und stichfest seien. Solche Einsprüche mußten aber wiederum bei Kaplan die Empfindung auslösen, man wolle seine Erfindung um ihrer Neuheit willen bekämpfen.
Und so kam, was kommen mußte, ein Kampf, der Kaplans Energie ganz in Anspruch nahm und seinen Nerven nicht zuträglich gewesen ist. Aus diesem Kampfe um seine Patente — es sei hier vorweggenommen — ist Kaplan als Sieger hervorgegangen; aber seine Gesundheit war der Preis dafür. War Kaplan bis zum Jahre 1913 mit Erfolg auf wissenschaftlichem Gebiete tätig, so sehen wir ihn von hier ab auf patentrechtlichem und geschäftlichem Gebiete notgedrungen eine recht rege Tätigkeit entfalten. Dabei verstand er es ganz meisterhaft, die Feder gegen seine Gegner zu führen. Es sei erwähnt, daß Kaplan bei seinen Schwägern Franz Strasser in Wien und Rat Karl Heilinger, Großindustriellen in Deutsch-Wagram, fachkundige Unterstützung in der Verwertung seiner Patente gefunden hat. Auch des zu Rate gezogenen Rechtsanwaltes Dr. Adolf Gallia sei hier gedacht, welcher, als ein in Patentangelegenheiten erfahrener Jurist, die Bedeutung der Kaplan- turbine richtig erkannt hat.
Es ließe sich ein Buch über die Geschichte der Verhandlungen zw ischen Kaplan und den einzelnen Firmen schreiben. Der Vollständigkeit halber sei in dieser Biographie bloß einiges darüber angeführt, ohne aber über das schon im Druck andernorts Veröffentlichte hinauszugehen; 2 denn mehr zu sagen fühlt sich der Verfasser mit Rücksicht auf die private Natur der Sache nicht berechtigt.
Zuerst ist J. Singrün, Leiter der Firma Singrün-Freres in Epinal, erschienen. Der Vertrag wurde bei Heilinger entworfen, einige Tage später telegraphisch widerrufen. Dann kamen die schwedische Firma Verkstaden Kristinehamn, vertreten durch Direktor Holm, und die norwegische Firma Jensen og Dahl, schließlich auch die Firmen Briegleb, Hansen & Co. in Gotha, J. M. Voith in St. Pölten-Heidenheim, Escher, Wyss & Cie. A. G. in Zürich und Amme, Giesecke & Konegen A. G. in Braunschweig.
Verträge wurden geschlossen und wieder abgeändert; später kam man aber doch gütlich überein. Daß solche Vertragsangelegenheiten nicht immer glatt vor sich gehen und mit Reibungen verbunden sind, ist mit Rücksicht auf das Risiko, das beide Partner auf sich nehmen mußten, ohne weiteres verständlich. Ein Vorfall soll noch erwähnt werden, weil durch ihn das äußerst vorsichtige, zurückhaltende, ja mißtrauische Verhalten Kaplans nachträglich als gerechtfertigt erscheint, und Kaplan selbst über diesen Vorfall sich oft bitter beklagt hat.
Kaplan berichtet in dem Aufsatz: „Die Entstehungsgeschichte der neuen amerikanischen Schnelläufer-Turbinen“ 3 ausführlich über den Verlauf der Verhandlungen mit der Firma Allis Chalmers in Milwaukee. Aus diesem Bericht geht klar hervor, daß der Vertreter dieser Firma, Ing. Schmidt, nachdem ihm die KAPLANschen Laufradformen und auch die Versuchsturbine gezeigt worden waren, sich günstig
1 Vgl. Zeitschr. d. österr. Ing.- u. Arch.-Ver. 1917, S. 490 u. 498.
2 Vgl. Kaplax-Lechner: „Theorie und Bau von Turbinen-Sclinelläufern“, Verlag Oldenbourg, 1931, S. 188.
3 Vgl. Wasserkraft, 1921, S. 42.
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