Heft 
1936: Drittes Heft
Entstehung
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Mitteilungen und Berichte.

Im Namen der Mitarbeiter Auers sprach dann Generaldirektor Dr. Franz Fattinger der Treibacher Chemischen Werke nachstehende Worte des Gedenkens:

Als einer der Mitarbeiter Auers von Welsbach bringe ich heute die hohe Verehrung zum Ausdruck, die alle seine Mitarbeiter seinem überragenden Geiste zollen.

Mit freudiger Dankbarkeit begrüßen wir die erfolgreiche Arbeit der Mitglieder der Auer-Welsbach Gedächtnisstiftung, welche dieses schöne Denkmal schuf. Die Menschheit ehrt mit Recht hervorragende Forscher und große Erfinder, denn die Fortschritte der Wissenschaft und Technik ändern das Antlitz der Erde, be­dingen das Wohl und Wehe der Menschen und bestimmen deren Zukunft.

Auer von Welsbach ist als Forscher weltbekannt im Reiche der Wissen­schaft und als Erfinder den größten Geistern anderer Nationen ebenbürtig im Reiche der Technik. Der heutige Tag ist Ehrung und Dank für einen großen Österreicher.

Als Chemiker bei wissenschaftlichen Größen wie Bunsen und Lieben geschult, als Analytiker und Spektralanalytiker, insbesondere auf dem Gebiete der seltenen Erden unerreicht, abgeneigt einem Übermaß von Theorien und Hypothesen, auf­bauend auf vielen Versuchen und gründlicher Arbeit, schuf er seine Entdeckungen und Erfindungen. Er war opferbereit für die Forschung und ein neues Element war ihm viel begehrenswerter als eine gewinnbringende Erfindung, als Vermögen und Macht. Er war immer bereit, die Leistungen anderer anzuerkennen, er, der selbst durch Wissen, Geschicklichkeit und Erfahrung an der Spitze stand.

Hervorragende Veranlagung und gute Beobachtungsgabe, verbunden mit Ausdauer, rascher Auffassung und Urteilsbildung, Menschenkenntnis und Groß­zügigkeit, waren in ihm vereint, um diese Spitzenleistungen zu ermöglichen. Auer hatte das für Erforscher und Erfinder notwendige Selbstvertrauen und den Glauben an seine Sendung, welcher den Erfolg erringt. Trotz vieler erfolgloser Versuche immer wieder günstige Ergebnisse zu erwarten, immer bereit zu sein, neue Ver­suche zu beginnen, jahrelang tausende Analysen, hunderte Atomgewichtsbestim­mungen, tagtäglich Umkristallisationen durchzuführen, trotz hundertmaliger Feststellung, daß keine Spur eines neuen Elementes sich zeigt: all das sind Kenn­zeichen des unermüdlichen Forschers. Viele tausend Beobachtungen der bunt­farbigen Spektrallinien durchzuführen, ohne daß Änderungen an den Linien oder neue Linien erscheinen, bis doch endlich die Unermüdlichkeit belohnt wird und vier neue Elemente gefunden sind, zeigt die Arbeitsfreude Auer-Welsbachs klar auf. Hunderte Ideen hatte er in jahrelanger Arbeit verfolgt und geprüft, bis sich einige davon als technisch und wirtschaftlich brauchbar zeigten und allgemein Verwendung fanden, und so hat sich Auer als großer Erfinder bewährt. Bis ins hohe Alter hinein war wissenschaftliche Arbeit seine Freude und besondere Genug­tuung bereiteten ihm die vielen Ehrungen, welche ihm wissenschaftliche Institute zuteil werden ließen. Er hatte Abneigung gegen kaufmännische und industrielle Kleinarbeit und zog sich von der Industrie immer wieder zur Wissenschaft, als dem Urquell der Forschung und Entwicklung, zurück. Industrien schaffen und abstoßen und wieder neue Industrien ins Leben zu rufen, war sein Ideal in tech­nisch-wirtschaftlicher Hinsicht.