Heft 
1936: Drittes Heft
Entstehung
Seite
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Mitteilungen und Berichte.

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seiner neuen wissenschaftlichen Erkenntnis nicht stehen. Sein geistiger Weitblick und seine unermüdliche Tatkraft führten ihn zur praktischen Nutzbarmachung seiner Entdeckungen und damit zu neuen Erfindungen. Durch sein Gasglühlicht hat er der damals schon weit verbreiteten Gasbeleuchtung zu neuen großen Erfolgen verholfen. Der sogenannte ,Auerstrumpf nahm seinen Siegeszug über die ganze Welt. Ist damit auch eine Zeitlang die eben aufkommende .elektrische Beleuchtung scheinbar etwas in den Hintergrund gedrängt worden, so ruhte doch deshalb Auer von Welsbach auf seinen bisherigen Erfolgen nicht aus. Ohne jede Voreingenom­menheit wächst er über seine eigenen Schöpfungen hinaus und erfindet die elek­trische Strom sparende Osmium-Glühlampe, die erste Metallfadenlampe, die nun­mehr an Stelle der bisher ausschließlich verwendeten Kohlenfadenlampe allgemein in Gebrauch kommt. Auer gibt damit auch der elektrischen Beleuchtung und der ganzen Glühlampentechnik eine neue epochemachende Richtung. ,Mehr Licht ist wiederum das Geschenk des großen Forschers und Erfinders an die Welt.

Doch vielleicht sind Auer-Gasglühlicht und Osmium-Glühlampe, letztere schon durch die Wolfram-Lampe überholt, heute nur mehr als Marksteine früherer Entwicklungsstufen der Beleuchtungstechnik aufzufassen. Auers dritte wichtige Erfindung führt darüber hinaus und ist gegenwärtig noch von größter wirtschaft­licher Bedeutung. Es ist eine geschickte Legierung von Cer und Eisen, das Cer­eisen, kurzweg ,AuermetaH genannt, das bei Reibung Funken sprüht und daher als Anzündevorrichtung heute in aller Welt in Verwendung steht. Von seiner Ge- burtsstätte in der AuERschen Fabrik in Treibach (Kärnten) hat das ,AuermetaU seinen Siegeszug angetreten.

Rückblickend auf alle diese Erfolge des großen österreichischen Forschers und Erfinders können wir sagen, Auer von Welsbach hat mit seinen Forschungs­ergebnissen nicht nur der Wissenschaft und Technik die größten Dienste ge­leistet, sondern damit auch den Ruhm unseres Vaterlandes in die Welt hinaus­getragen. Ehre seinem Andenken!

Es ist daher nur recht und billig, daß über Anregung ausgezeichneter Männer der Wissenschaft und Praxis nun auch unser Vaterland sich wieder vor aller Öffent­lichkeit seines großen Sohnes ehrenvoll erinnert und ihm hier an einer überaus passenden Stelle vor dem großen Chemisch-physikalischen Institut in unserer Bundeshauptstadt Wien ein würdiges Denkmal setzt. In Stein und Bronze soll hier fortan sein Name verewigt bleiben. Die Hand des Lichtträgers aber da oben auf der Steinsäule, diese Hand, die zum Himmel gereckt, die lodernde Fackel trägt, möge der Welt künden, daß es wahrhaft genialer deutscher Forschergeist echt österreichischer Prägung war und ist, der von hier, von Österreich hinaus­getragen wird in die Welt und daß es österreichischer Erfindergeist ist, der heute allüberall das Erdenrund in ein strahlendes Lichtmeer taucht. Öster­reich, somit Lichtbringer und Lichtträger für die Welt wahrhaftig ein Stück Weltsendung Österreichs, die sich hierin erfüllt! Und nun falle die Hülle von dem Denkmal des großen Österreichers, des Forschers und Erfinders Auer von Welsbach, auf daß es fortan der Mit- und Nachwelt künde, den Ruhm seines Namens und seines Schaffens und damit den Ruhm österreichischer Forscher- und Erfindertätigkeit zur Ehre unseres Vaterlandes Österreich!