Aufsatz 
Alte Brücken und Mühlen in Tirol / von Otto Lanser
Entstehung
Seite
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Alte Brücken und Mühlen in Tirol.

Von

Dipl.-Ing. Otto Lanser, Ried in Tirol.

Mit 22 Abbildungen.

Volkskunde und Heimatforschung befassen sich seit jeher mit den Haus- und Siedlungsformen und versuchen, deren Zusammenhang mit Klima, Bodengestalt, landwirtschaftlicher Betriebsweise und nicht zuletzt auch mit dem Volks- und Stammescharakter der Erbauer aufzudecken und klarzulegen. Obwohl nun der Hausbau an sich eine technische Aufgabe ist, stehen hier doch auch künstlerische, brauchtümliche, volkliche und selbst kultische Kräfte und Vorstellungen so sehr im Vordergrund, daß die Hausforschung fast ausschließlich von der Seite der Kultur- und Sozialgeschichte her betrieben worden ist. Das volkstümliche Bauschaffen um­faßt jedoch auch Werke wie Brücken, Mühlen, Schmieden u. dgl., bei denen infolge einer sozusagen mehr nüchternen Zweckbestimmung das Typische fast allein im Tech­nisch-Konstruktiven liegt. Sich dieser Denkmäler der Technikgeschichte anzunehmen, ist vor allem der Ingenieur berufen. Man darf hierbei auch für die allgemeine Volks­kunde und Kulturgeschichte manches Ergebnis erwarten, da auch in diesen tech­nischen Schöpfungen der Landschaftscharakter, die Wirtschaftsweise, aber auch die volkliche Zusammensetzung und der Gang der Siedlungsgeschichte sich ausprägen und widerspiegeln. Nicht zuletzt aber bilden auch diese Bauwerke Zeugen der schöpferischen Gestaltungskraft unserer Vorfahren, sie sind Bereicherung und Schmuck der heimatlichen Landschaft, den zu beachten und zu pflegen wir uns schon deshalb angelegen sein lassen sollten, weil andersartige wirtschaftliche Bedürfnisse und die Ausbreitung einer ausgleichenden Zivilisation diese Zeugen einer urtüm­licheren wirtschaftlich-technischen Entwicklungsstufe immer mehr zum Verschwin­den bringen. Dies rechtfertigt den vorliegenden Versuch, über Brücken, Mühlen und ähnliche Schöpfungen der volkstümlichen Bau- und Maschinentechnik aus Tirol zu berichten und einige entwicklungsgeschichtliche Deutungen daran zu knüpfen.

Schon in Urzeiten sah sich der Mensch genötigt, das Hindernis zu überwinden, das Flüsse und Bäche seiner Bewegungsfreiheit entgegensetzten. Das einfachste war, sie an seichten Stellen zu durchwaten; die reißenden Gebirgsflüsse Tirols gestatteten dies freilich selbst bei niederem Wasserstande kaum und so fehlen hier die anderwärts häufigen Ortsnamen mit -furt so gut wie gänzlich. Wohl aber bildete auch in unserem Lande die nächsthöhere Entwicklungsform, die Fähre, durch Jahrhunderte hindurch das einzige Verbindungsmittel über die Flüsse, selbst im Zuge der großen Handels­wege. Feste Brücken über die größeren Wasserläufe hat es, seitdem die Römer-