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L. Erhard: Volksteclmik.
und eröffnete dort neuerdings den Bergbau, dessen kargen Ertrag er mit seinen Knappen kameradschaftlich teilte. — In das Gebiet der Volkstechnik fällt auch die sogenannte „Ladenkarlfahrt“ 1 , die von der Innung der Karlführer mit einmännigen Flößen auf der Steyr betrieben wurde.
Diese paar Beispiele und namentlich der nachfolgende Beitrag über „Alte Brücken und Mühlen in Tirol“ mögen den Beweis dafür erbringen, daß geradeso wie die Volkslieder und die Volkskunst auch die Volkstechnik dem Lebensgefühl unseres Volkstums entspringt und daß auch in ihr ein Stück jenes eigentümlichen, nationalen Rassengeistes steckt, dessen Gepräge aus allen ungekünstelten, volksmäßigen Schöpfungen hervorlugt. — Wie uns das Volksempfinden im Volkslied durch Wort und Ton und in der Volkskunst durch Form- und Farbengebung entgegentritt, so enthüllt auch die heimische Volkstechnik durch schlichte Bauwerke, Maschinen und Geräte, jene schöpferische Gestaltungskraft, die dem Deutschen als ahnendes Erwachen der Technik seit Anbeginn im Blute liegt.
Gemäß der nationalsozialistischen Kulturpolitik hat die Technik dem Nutzen der Gesamtheit zu dienen und an Stelle des Geldwertes ist der Dien st wert der technischen Leistung getreten. Wenn hierbei der Volkstechnik auch die höchsten Leistungen der Ingenieurkunst versagt bleiben, so hat sie doch seit jeher dort eingegriffen, wo technische Hilfe not tat. In Haus und Hof, auf Weg und Steg, in Wasser- und Feuersnot ist sie stets als Helferin eingesprungen und deshalb soll man ihr gemeinnütziges Wirken nach Gebühr schätzen und würdigen. Gerade die wissenschaftlich geschulten Ingenieure sollten den Werken der Volkstechnik eifrig nachspüren; sie würden dann bald erfahren, daß der Keim zu mancher stolzen Errungenschaft der Neuzeit schon in Werken der naturwüchsigen Volkstechnik enthalten ist.
Der Nationalsozialismus hat die wissenschaftliche Technik zur Trägerin der aufbauenden Nationalwirtschaft des Dritten Reiches erkoren. Er wendet aber sein Augenmerk zugleich der bodenständigen Volkstechnik zu und räumt ihr den gebührenden Platz neben dem überkommenen Brauchtum und der Volkskunst ein. Er fördert von Staats wegen jene Stellen und Einrichtungen, die berufen sind, die fachliche und kulturelle Bedeutung der Volkstechnik zu erforschen und zu werten. Dadurch Avird der Nationalsozialismus, seinen Grundsätzen getreu, noch manches wertvolle, in der Volkstechnik ruhende Kulturgut sichern und zu neuem Leben erwecken.
1 E. Neavekloaa'Sky, „Die Ladenkarlfahrt auf der Steyr“ in: ,,BfTG“/5. Wien 1938, S. 89ff.