Alte Brücken und Mühlen in Tirol.
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Der eingehängte Balkenträger besitzt schon eine Spannweite von 15,8 m, die gesamte Lichtweite der mittleren Öffnung mißt nicht weniger als 27,0 m; die weit ausladenden Kragarme werden durch Gegengewichte aus Bachsteinen im Gleichgewicht gehalten.
Bessere Ausnützung der Materialfestigkeit mittels vollkommener Trägerformen gestattet gleichfalls die Erreichung größerer Tragkraft und Spannweiten. Die technische Mechanik lehrt, daß die Trägerhöhe am Widerstandsmoment mit der zweiten, die Breite bloß mit der ersten Potenz beteiligt ist. Besser als mehrere Balken nebeneinander zu legen ist es daher, sie übereinander anzuordnen und durch möglichst unverschiebliche Verbindung zu einem Verbundbalken zusammenzufassen. Eine genau den theoretischen Forderungen entsprechende Brückenform findet sich im Pitztal (Abb. 3). Mit mehreren übereinandergelegten und durch Keile zusammengehaltenen Balken wird eine bedeutende Trägerhöhe erreicht. Besonders bemerkenswert ist ferner die Verstärkung des Trägers durch einen weiteren Balken im mittleren Teil des Feldes, die genau dem Verlauf der Biegemomente entspricht. Diese im Pitz- tal verbreitete Bauform ist ein schönes Beispiel für die technische Begabung des Tiroler Bergbauern.
Die ersten Brücken über die größeren Flüsse Tirols wurden naturgemäß im Zuge der großen Handelswege geschlagen, so die Eisack- und Etschbrücke bei Bozen und die Innbrücke bei Innsbruck, die zwischen 1150 und 1200 entstanden sind. 2 Auch bei diesen handelte es sich ausschließlich um Holzbrücken. Name und Wappen Innsbrucks bewahren die Erinnerung an dieses Ereignis; das Wappenbild 3 ist ein Grundriß dieser ältesten Innbrücke, in dem die aus querliegenden Bohlen bestehende Fahrbahn sowie die als Steinkasten gebildeten und gegen die Flußrichtung zugespitzten Pfeiler in der Draufsicht dargestellt sind. Es liegt auf der Hand, daß man bei diesen Strombrücken nicht mehr mit einer einzigen Spannweite auskommen konnte, sondern daß man die Flußbreite durch Mittelpfeiler unterteilen mußte. Pfeiler in Steinkastenform, wie sie das Innsbrucker Wappenbild zeigt, dürften aber eine Ausnahme gewesen sein; offenbar waren sie auf einen Pfahlrost aufgesetzt. Die Regel bei größeren Brücken waren aber Joche aus eingerammten und durch einen Holm verbundenen Pfählen.
Die Schwierigkeit und Kostspieligkeit des Baues von Jochen oder Pfeilern, aber auch der Umstand, daß gerade sie bei Hochwasser oder Eisangriff besonders gefährdete Teile bildeten, drängte dazu, an ihrer Zahl möglichst zu sparen und dafür
Abb. 2 Sieg, sogenannte „Winterbrücke" über den Inn bei Pfunds. Auslegerbrücke.