Aufsatz 
Alte Brücken und Mühlen in Tirol / von Otto Lanser
Entstehung
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Otto Lanser

Lager der anderen. Weitere Schöpfräder standen beim Kloster Neustift bei Brixen und ein ganz kleines fand ich noch im Tauferer Ahrntal bei St. Johann.

Wann und wo nun eigentliche Mahlmühlen mit Wasserradantrieb zuerst errichtet wurden, ist nicht bekannt. Ihre früheste Erwähnung geschieht durch Strabo, der von einer solchen bei Amasia, der Residenz des Mithridates (137 bis 64 v. Chr.) berichtet. In Rom ist ihr Aufkommen, wie erwähnt, für die Zeit Cäsars (100 bis 44 v. Chr.) bezeugt. Heute noch stehen in der Nähe der Via Appia sowie am Ausgang des künstlichen Abflusses des Albaner Sees, eines noch in vorrömischer Zeit gehauenen

Felsstollens, einige Mühlen; vielleicht darf man hier auf so uraltem Kulturboden auch die Stätte antiker Mühlen vermuten.

Die Römer brachten die Wassermühlen in die von ihnen beherrschten Provinzen und Länder. Aus spätantiker Zeit sind sie uns schon auf germanischem Boden mehr­fach bezeugt, so durch die spätlateinischen Dichter Ausonius und Fortunatus für die Moselgegend aus dem 4. und 5. Jahr­hundert, dann für das 6. Jahrhundert für die Gegend von Dijon im Fränkischen Reiche durch Gregor von Tours. Die im 13. Jahrhundert in Norwegen auf gezeich­nete Thidrekssaga, 14 deren Held Dietrich von Bern aber im 6. Jahrhundert gelebt hat, erwähnt einmal, wie der Recke Heimo an einen Fluß kommt, an dem eine Mühle steht und ihr altes Lied mit Räder­rauschen und Klipp-klapp singt!

Im frühen Mittelalter dürften sich die Mühlen dann über den ganzen deutschen Raum ausgedehnt haben. Für Böhmen erwähnt eine aus späterer Zeit stammende Chronik sie für den Anfang des 8. Jahrhunderts. In einer Schenkungsurkunde des deutschen Königs Arnulph wird ihrer im Jahre 898 15 für Kärnten und damit wohl zum ersten Male auf alpenländischem Boden Erwähnung getan. Zwischen 905 und 1005 erhielt eine Frau Suanihilt im Tauschwege eine Hube im Orte Stega (Stegen bei Bruneck) und eine Mühle in Ragouva (Ragen). 16 Das ist die erste Erwähnung einer Mühle in Tirol, die bezeichnenderweise gerade aus der mühlenreichen Gegend um Bruneck erfolgt. In Urkunden des 11. und 12. Jahrhunderts erscheinen dann Mühlen in unserem Lande häufig als Zubehör von Landgütern in Urkunden an­geführt. 17

Mit diesem Auf tauchen der Mühlen im Alpenraum ergibt sich die Frage, ob sie erst durch die deutsche Einwanderung dorthin gebracht worden sind oder ob sie bereits den vordeutschen Bewohnern bekannt waren, sei es durch unmittelbaren römischen Einfluß, sei es, daß sie überhaupt schon einer älteren, bodenständigen

Abb. 11. Wölbbrücke über eine Seiten­schlucht am Inn bei Tösens.