Alte Brücken und Mühlen in Tirol.
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Kultur angehört haben. Vielleicht wird man mit gewissen Einschränkungen alle drei Möglichkeiten als zutreffend halten dürfen. Daß die erwähnten Schöpfräder und damit möglicherweise auch vereinzelte andere Anwendungen unterschlächtiger Wasserräder als Ausläufer und letzte Ausstrahlungen der antiken Tradition anzusehen sind, dürfte als ziemlich sicher gelten können. Im übrigen erfolgt die Erwähnung der Mühlen in den Urkunden zeitlich und sachlich aber doch immer im Zusammenhang mit den deutschen Bewohnern; auch haben die zahlreichen deutschen Ortsnamen wie Mühlau, Mühlbach, Mühltal und viele ähnliche, wie es scheint, kein Gegenstück in den an sich so häufigen vordeutschen Namen unseres Landes, wiewohl z. B. in Graubünden Ortsbezeichnungen wie Molins Vorkommen; schließlich sind im allgemeinen gerade jene Landesteile, die die stärksten Unterströme rhätischen Volkstums und damit lateinischen Kultureinflusses aufweisen, am ärmsten an Mühlen, hingegen die Gebiete ältester und nachdrücklichst baj- warischer Besiedlung am reichsten, wie etwa gerade das Pustertal und die Brunecker Gegend mit ihren schönen, alten deutschen Ortsnamen (z. B. Tessenberg, das an den Bajernherzog Tassilo erinnert, oder Dietenheim, Uttenheim u. dgl., in denen ein Uto oder Dietmar fortlebt).
Dies alles macht es doch wahrscheinlich, daß jene Mühlen, die wir heute noch an den Bächen unseres Landes anzutreffen gewohnt sind, erst seit der deutschen Landnahme einen Bestandteil unserer Kulturlandschaft bilden. Daneben gab es aber und gibt es in einzelnen Beispielen noch eine hiervon gänzlich abweichende, höchst altertümliche Mühlenbauart; daß wir es in ihr weder mit antikem noch deutschem Kulturgut, sondern mit Überbleibseln eines dritten, älteren Kultur- und Völkerkreises, des balkanisch-illyrischen, zu tun haben, glaube ich weiter unten glaubhaft machen zu können.
Ursprünglich dürfte zu jedem Hof der deutschen Siedler auch eine eigene Mühle gehört haben, wenigstens dort, wo es die Wasser Verhältnisse einigermaßen gestatteten. Das ergibt sich aus den ständigen, fast formelhaften Erwähnungen der Mühlen als Zubehör von Landgütern in den Urkunden. Bald wird sich aber aus dieser Hausmüllerei ein eigenes Müllergewerbe entwickelt haben, das das Mahlen gegen Lohn übernahm. Diese gewerblichen Mühlenbetriebe, die heute natürlich die weitaus wichtigere Rolle spielen, waren dem technischen Fortschritt naturgemäß viel zugänglicher als die Hausmühlen, bei denen es auf Gewinn und Wirtschaftlichkeit nicht so sehr ankam und die daher am Überkommenen viel zäher festgehalten haben.
Geschichte der Technik, 6. Heft.
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Abb 12. Westtiroler Mühle bei Tösens.
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