Alte Brücken und Mühlen in Tirol.
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hier in den früheren Grundkatastern aus den Jahren 1628 und 1749 noch eine große Zahl von „Mühlgerechtigkeiten“, also Mühlenkonzessionen nach heutigem Sprachgebrauch, aufscheinen, etwa 40 für die beiden Gemeinden Käppi und See. 18 Im Innerpaznaun scheint es keine Bauernmühlen zu geben.
Der Ortsname Mühlau beweist, daß auch die Umgebung Innsbrucks reich an Mühlen war. Die Wasserkraft des Mühlauerbaches war auch die Ursache, daß Kaiser Maximilian hier seine berühmte Schwert- und Harnischwerkstätte errichtete. Diese alten Anlagen haben hier freilich schon modernen Kraftwerken Platz machen müssen. Auch in der übrigen Umgebung Innsbrucks, wie überhaupt im Haupttale, sind alte Mühlen recht selten geworden, nur auf den begleitenden Mitteigebirgsterrassen trifft man noch die eine oder andere. In diesem dem Verkehr am meisten erschlossenen Landesteil haben sich Gewerbe und städtische Lebensformen am stärksten entwickelt und die bäuerliche Überlieferung und Betriebsweise beeinflußt; hier mag wohl schon früh das Müllergewerbe aufgeblüht sein und manche alte bäuerliche Eigenmühle überflüssig gemacht haben. 19 Ähnlich wie in Westtirol sind aber auch die Nebentäler des Unter - inntales, besonders die Wildschönau, das Alpachtal, auch das Zillertal, reich an Mühlen, offenbar deswegen, weil auch hier wegen der größeren Abgeschlossenheit die bäuerliche Wirtschaft mehr auf sich selbst angewiesen blieb als im Haupttal.
Aus dem gleichen Grunde trifft man auch im zentralen Tirol, im oberen Wipptal und seinen Nebentälern, in Gschnitz, Schmirn und Obernberg noch manche schöne, alte Mühle. Auch die Sill muß — oder besser gesagt mußte — schon als ganz kleiner Bach, noch oberhalb des Brennersees, ein Mühlrad treiben. Leider ist die Anlage schon in Verfall begriffen; aber ihr ernstes Gemäuer mit dem gut proportionierten, großen Rad paßt trefflich in die düstere Gebirgswelt dieses schicksalsreichen Passes. Sie wäre es wohl wert, als technisches Kulturdenkmal erhalten zu werden, zumal da sie nur wenige Schritte von Bahn und Straße entfernt steht und von diesen aus gut gesehen werden kann.
Ähnlich liegen ferner die Verhältnisse im Eisack- und Etschgebiet: arm an Mühlen sind die obst- und weinreichen Haupttäler und -ebenen, reich die tief ins Herz der Gebirge eindringenden, verkehrsarmen Alpentäler, wie etwa das Schnals- tal, Ultental, Passeier. Auch auf den weiten, zufolge ihrer Höhenlage schon in eine kühlere Klimazone hineinreichenden und daher nur noch für den Getreidebau ge-
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Abb. 14. Mühle im Pitztal. Zwei Mahlgänge, ein ober' schlächtiges und ein unterschlächtiges Wasserrad.
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