Alte Brücken und Mühlen in Tirol.
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sondern zu einem, nur den Sommer über bewohnten „Zugut“ geworden. Trotzdem wird auch hier im Höhengürtel zwischen 1600 und 1700 m noch Getreidebau betrieben und die Mühlen stehen daher noch in Verwendung. Die höchsten Getreideäcker erreichen hier die Zone von 1700 bis 1800 m Seehöhe. 20 Selbst an ganz kleinen Wasserläufen werden manchmal noch Mühlen errichtet und die Bewohner zeigen in der Ausnutzung der geringen Wassermenge hohes technisches Verständnis. Das Wasser wird in einer langen, steilen Schußrinne mit möglichst hoher Endgeschwindigkeit auf das oberschlächtige Rad geleitet, das zur Erreichung eines großen Drehmomentes einen bedeutenden Durchmesser erhält. Dafür sind die Mühlsteine und damit freilich auch die Mahlleistung klein.
Die Vorrichtungen zum In- und Außerbetriebsetzen der Anlage sind innerhalb eines gewissen Verbreitungsgebietes meist bei allen Mühlen gleichartig, ihre einzelnen Teile besitzen auch feststehende Bezeichnungen, denen nachzugehen nicht ohne volkskundlichen Reiz wäre.
Die Zuleitung des Betriebswassers erfolgt in einem aus ausgehöhlten Baumstämmen oder aus gespundeten Brettern bestehenden Rinnwerk.
Im Villgratental z. B. ist nun ein etwa 40 bis 50 cm langes Stück der Seitenwand dieses Rinn Werkes ausgeschnitten; bei Stillstand der Mühle wird das zufließende Wasser durch ein schräg quergestelltes Brett durch diese Ausnehmung abgedrängt; bei Inbetriebnahme jedoch wird vermittels dieses Brettes diese Seitenöffnung verschlossen und eine außerdem noch in der Sohle der Rinne ausgenommene Öffnung mit einem hineinpassenden Brett ebenfalls abgedeckt. Um schließlich das Werk auch noch von der Mühle selbst aus in Bewegung setzen zu können, ist das letzte Stück der Rinne auf einer Art Pendelstütze um etwas mehr als Radbreite mittels einer in das Mühlengebäude hineinreichenden Stange verschwenkbar, so daß der Wasserstrahl entweder auf das Rad oder an diesem vorbei geleitet werden kann.
Den Eindruck einer architektonisch reizvollen Formgebung der Osttiroler Mühlen möge noch ein Bild (Abb. 20) aus dem Defereggentale ergänzen. Der Mühlenreichtum, der hier geradezu ein wesentliches Merkmal der Kulturlandschaft bildet, setzt sich auch im anschließenden Kärnten fort.
Bei mancher Verschiedenheit im einzelnen stimmen die bisher behandelten Mühlen doch in allem Grundsätzlichen so weitgehend überein, daß über ihre ent-
Abb. 16. Mühle im Taulerer Ahrntal mit „mittelschläch tigern 1 ' Wasserrad.