Aufsatz 
Alte Brücken und Mühlen in Tirol / von Otto Lanser
Entstehung
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Alte Brücken und Mühlen in Tirol.

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Zweifellos hat man es bei dieser Mühlenbauart mit der ältesten, mechanisch ange­triebenen zu tun.

Darf man demnach als deren Heimat ebenfalls Asien, insbesondere dessen Hoch- gebirgsländer annehmen im Gegensätze zu den Schöpfrädern, die in den Fluß­kulturen entstanden sind, so bildet das heutige Hauptverbreitungsgebiet dieser Mühlen der Balkan, weshalb sie geradezu alsgriechische oder auchtürkische Mühlen bezeichnet werden. Das Deutsche Museum in München besitzt Originale und Nachbildungen solchergriechischer Mühlen aus den Balkanländern, ebenso das Technische Museum in Wien ein Löffelrad einertürkischen Mühle. Schon ein altes Lehrbuch, die 1718 zu Augsburg erschieneneVollständige Mühlenbaukunst, bringt eine Beschreibung und einen Riß solcher Löffelräder, die ein deutscher In­genieur nach einer bosni­schen Mühle angefertigt habe.

Sie sind heute noch in Dal­matien, Bosnien und Alba­nien zahlreich in Gebrauch; in dem Werke:Technische Kulturdenkmäler 23 sind sol­che Mühlen von den Pliva- quellen in Dalmatien ab­gebildet.

Man kann sich manch­mal dem Eindruck nicht ent­ziehen, daß die großen eura- sischen Gebirge nicht nur ihrer geologischen Entste­hung nach zusammenge­hören, sondern daß auch ihre Kulturlandschaft gewisse verwandte Züge trägt, als ob es irgendwann einmal eine sie alle umfassendeGebirgskultur gegeben habe, aus der einzelne materielle oder seelische Merkmale durch alle späteren Kultur- und Völker­schichten hindurch sich bis auf den heutigen Tag erhalten haben. Solche Empfin­dung wird durch das Vorkommen dieser urtümlichen Mühlen im Alpenraum wieder bestätigt. Schon ältere Quellen erwähnen sie in der Provence. Heute lassen sich, soviel ich sehe, zwei Gebiete stärkerer Verbreitung erkennen: Wallis und Tessin einerseits, 24 Osttirol und Kärnten anderseits.

Für die von ungeheuren Gebirgen umgebenen tessinischen und wallisischen Alpentäler darf man wohl die Abgeschiedenheit und die dadurch erzwungene kul­turelle Selbstgenügsamkeit als Grund für die Erhaltung alten, ja ältesten Kulturgutes annehmen; für Osttirol und Kärnten kommt noch hinzu, daß diese Gebiete durch nie ganz abreißende Beziehungen mit dem illyrischen Raum bis in die neuere Zeit hinein in gewisser Verbindung geblieben sind. Diese Beziehungen sind vor allem ethno­graphischer Art. Während sonst auf tirolischem Boden das deutsche Volkstum sich nur mit dem rhätoromanischen auseinanderzusetzen hatte, stieß es hier auch auf das

Abb. 18. Mühle bei Außervillgraten. Zwei Mahlgänge mit unterschlächtigen Rädern.