Aufsatz 
Alte Brücken und Mühlen in Tirol / von Otto Lanser
Entstehung
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Alte Brücken und Mühlen in Tirol.

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gebäude fast wie ein Pfahlbau frei über dem Boden, so daß das Triebwasser darunter durchfließen kann.

Weiter gegen Millstatt zu werden die Stockmühlen kleiner und einfacher. Es wäre eine fesselnde Aufgabe, ihr weiteres Verbreitungsgebiet festzustellen. Ich fand solche auch nordseits des Alpenhauptkammes im Groß-Arltale, das ja über die Arl- Scharte in guter Verbindung mit diesem kärntnerischen Verbreitungsgebiet steht, während der völlig unwegsame, von der Liechtensteinklamm gebildete Talausgang es gegen Norden abschließt. In gewissem Sinne gehören auch noch die Schusser­oder Marbelmühlen im Salzburgischen hierher, bei denen mittels einer schweren, liegenden Holzscheibe, die mit schrägen Schaufeln versehen ist und die zugleich Wasserrad und Mühl,,stein bildet, aus abgerundeten Marmorbrocken glatte Spielkugeln für Kinder er­zeugt werden (Abb. 22).

Auch zwischen dem ost- tirolisch-kärntnerischen Ver­breitungsgebiet und jenem im Wallis und Tessin scheinen einzelne sporadische Vor­kommen eine nicht ganz ab­reißende Brücke herzustellen.

Die eine oder andere Stock­mühle steht noch im Tauferer Ahrntale und dann kommen merkwürdigerweise wieder einige bei Sölden im Ötztal vor. Diese, an dem mitten durch die Ortschaft fließen­den Rettenbache gelegenen Abb. 20. Mühle im Defreggentale, Osttirol.

Stockmühlen besitzen eigen­artigerweise meist auch noch eine Gerstenstampfe, die aber von einem eigenen, kleinen oberschlächtigen Rad angetrieben wird. Die Tatsache, daß in den Alpen oft Zusammenhänge über die Gebirgskämme und Wasserscheiden hinübergreifen, bestätigt sich auch hier, da auch im Passeier Stockmühlen Vorkommen. Schließlich bilden noch solche in Graubünden das letzte Verbindungsglied.

Alles in allem darf man in den Stockmühlen wohl ein entwicklungsgeschicht­liches Überbleibsel erblicken, das sich in einzelnen Alpengegenden bis heute erhal­ten hat, dessen Hauptverbreitungsgebiet aber der illyrische Raum bildet. Vielleicht ist es daher nicht allzu abwegig, sie mit der Ausbreitung der Veneto-Illyrer in Zusammen­hang zu bringen, deren Volkstum und Kultur ja eine der Komponenten bilden, aus denen sich der volkliche Untergrund der Alpenländer zusammensetzt.

Der Rahmen dieser Ausführungen erlaubt nicht, die zahlreichen anderen An­wendungen der Wasserräder mehr als nur flüchtig zu erwähnen. Vielen Mühlen, besonders in Osttirol, sind Gerstenstampfen angegliedert, die durch ein kleineres Rad angetrieben werden. In einem Trog werden die angefeuchteten Gerstenkörner durch

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