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Otto Lanser
niederfallende hölzerne Stößel enthülst. Ähnliche Stampfen dienen auch als Lohmühlen zum Zerkleinern der Gerberlohe, als Knochenstampfen und als Walkmühlen, in denen der selbstgefertigte Bauernloden einem Verdichtungsprozeß unterworfen wird.
Von besonderer Romantik umgeben sind die Hammerschmieden. Technisch bemerkenswert ist der aus einem besonders dicken Lärchenstamm hergestellte Wellbaum, dessen Massenträgheit die ruckartige Beanspruchung beim Anheben der schweren Hämmer vergleichmäßigen soll. Auch der Wind für die Esse wird mechanisch erzeugt, entweder mittels eines, durch ein kleineres Wasserrad getriebenen Blasebalges oder durch Anwendung des Prinzips der Wasserluftpumpe bei den sogenannten W assertrommelgebläsen.
Von frühzeitiger Anwendung der Wasserkraft in einer hochentwickelten metallurgischen Technik war schon bei Erwähnung der Harnischwerkstätte in Mühlau die Rede; eine Spitzenleistung dieser Art stellte auch die berühmte Haller Münze dar. 26
Die verwickeltsten mechanischen Antriebe sind aber wohl in der Bergbautechnik für die Materialförderung und Wasserhaltung gebaut worden; im Schwa- zer Bergwerksbuch besitzen wir darüber ein technikgeschichtliches Dokument von unschätzbarem Wert. Während z. B. der 1490 eröffnete Erbstollen in Schwaz noch unter Aufwendung einer überaus hohen Anzahl von Arbeitskräften mittels lederner Kübel von Hand entwässert werden mußte, stand 1553 schon ein von einem gewissen Anton Lasser aus Salzburg gebauter Wasserheber, ein „oberschlächtig doppelt Wasserrad“ zur Verfügung, also ein sogenanntes Kehrrad mit zwei entgegengesetzten Schaufelkränzen, dessen Drehrichtung durch abwechselnde Beaufschlagung umgekehrt werden konnte. ,,An dem Welbaum sein kibel und Söckh. Durch die Kibel wird das ärzt sambt dem Berg (Abraum), in den Söckhen, so von zweien der gressten Oxenheiten (Ochsenhäuten), so man haben mag, eine große Menge Wasser 125 claffter hoch (etwa 480 m) erhebt. Ainer dergleichen Söckh hat 10 bis 11 Yhrn, deren jede 96 Innsbrucker maß haltet (zirka 1408 l).“ 27
Etwa seit 1300 werden auch Sägemühlen urkundlich erwähnt. 28 Wegen der Größe und Schwere des Werkstückes kann dessen Vorschub nur mechanisch erfolgen, und zwar nur während des abwärtsgehenden Arbeitshubes der Säge; dies erforderte recht umständliche Konstruktionen und Maschinenteile, die aber fast ganz aus Holz hergestellt wurden. Während bei neueren Ausführungen die hohe Umdrehungszahl der Kurbelwelle durch eine Riemenübersetzung von der Radwelle her erzeugt wird,
Abb. 21. „Stockmühle" bei St. Jakob im Defreggentale mit vertikalachsigem, turbinenartigem Wasserrad.
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