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F. Kargl
Oberbaudirektor in Verona A. Negrelli, rühmlichst bekannt durch sein Projekt für den Suezkanal. Der zum Teil außerordentlich schwierige Bau wurde unter seiner Oberaufsicht begonnen, vollendet wurde er von jener Eisenbahngesellschaft, die inzwischen die südlichen Staatseisenbahnen angekauft hatte.
Mit den beiden Talbahnen war im Norden und im Süden der Schienenstrang weit ins Land geführt, der verbindende Verkehr aber blieb noch bis zum Jahre 1867 der Straße überlassen.
In der Eisenbahnpolitik der Regierung war inzwischen ein völliger Umschwung eingetreten. Österreich hatte wiederholt Krieg führen und am Balkan militärische Vorkehrungen treffen müssen, was dem Staate außerordentliche Lasten auf er legte; innerpolitische Wirren, wie die Verfassungskämpfe sowie die Selbständigkeitsbestrebungen Ungarns, hatten sein Gefüge erschüttert und die geringen Erträgnisse der Bahnen seine finanzielle Not vergrößert. Um diese zu meistern, griff die Regierung zu ganz außergewöhnlichen Maßnahmen.
Sie war zwar noch im Jahre 1854 für den großzügigen Ausbau des Eisenbahnnetzes eingetreten und hatte die Errichtung von mehr als 6000 km Bahnen angekündigt, stellte aber nun den Bau auf Staatskosten vollständig ein und überließ die weitere Ausgestaltung des Eisenbahnnetzes dem privaten Unternehmungsgeiste; gleichzeitig überraschte sie aber die politische Welt mit dem Beschlüsse, die nördlichen österreichischen und ungarischen Staatsbahnlinien zu verkaufen.
In der Tat übernahm ein unter französischer Führung stehendes Konsortium diese Linien mit allen Abzweigungen und bildete hierzu im Jahre 1856 die ,,k. k. priv. Österr. Staatseisenbahngesellschaft“.
Dieser Verkauf wurde in der Öffentlichkeit scharf bekämpft, gleichwohl verhandelte Finanzminister Freiherr von Bruck mit einer weiteren Gruppe der Hochfinanz wegen des Verkaufes der südlichen Staatseisenbahnen, der trotz des Einspruches weiter Bevölkerungskreise durchgeführt wurde. An die hierzu gebildete ,,k. k. priv. südliche Staats-, lombardisch-venezianische und zentralitalienische Eisenbahn-Gesellschaft“ gingen mehr als 3100 km Bahnen über, die allerdings nicht alle im Betrieb, zum Teil sogar noch im Bau begriffen waren. Mit diesem neuerlichen Verkaufe war der französische Einfluß auf alle großen Bahnen Österreichs ausgedehnt.
Im Züricher Frieden 1859 mußten die 1200 km langen oberitalienischen Bahnen an Italien abgetreten werden; dies und die Regelung des Besitzes an ungarischen Linien machte eine Umbildung der Gesellschaft notwendig; nach Fusionierung mit der im Jahre 1856 konzessionierten „Kaiser Franz Josef Orientbahn-Gesellschaft“ wurde 1859/60 die ,,k. k. priv. Südbahngesellschaft“ gegründet. Ihr rechtlicher ■ Bestand ist wegen der schwierigen Bildung und wiederholten Umbildung des Unternehmens nicht auf eine förmliche Konzession, sondern auf das gesellschaftliche Statut gegründet, das mit allerhöchster Entschließung vom 26. September 1861 genehmigt worden war.
Die Südbahngesellschaft hatte im Besitz: die Linie Wien—Triest nebst Abzweigungen, die Kärntnerbahn Marburg—Klagenfurt, die kroatische Linie Steinbrück—Sissek sowie die beiden Tiroler Bahnen und erweiterte später dieses Netz. Wegen der kriegerischen Ereignisse im Süden wurde der Betrieb auf den gesell-