Aufsatz 
Siebzig Jahre Brennerbahn / von F. Kargl
Entstehung
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F. Kargl

Schüttungen aufgeteilt, so daß seitliche Ablagerungen (Materialdeponien) zu den Ausnahmsfällen gehören.

Im ganzen wurden 8,330.000 m 3 Erd- und Felsmassen in Bewegung gebracht, entsprechend 66 m 3 für den Meter Bahnlänge; Dämme bis 60 m Höhe und Ein­schnitte oder seitliche Anschnitte von 45 m Tiefe sind keineSeltenheit. Die hohen Dämme wurden zumeist von leichten und hohen Sturz- und Schüttgerüsten aus erstellt, die in den Dämmen verblieben sind und mitverschüttet wurden; die größeren Einschnitte wurden im sogenannten englischen Einschnittsbetriebe, d. h. mit Hilfe

Schacht mit

3 Längsstollen

Abb. 8. Einschnittsentwässerung mit Schächten und Stollen.

Bahneinschnitt

Querstollen

von Stollen und Schächten ausgehoben. Der Lavaneinschnitt vor Matrei mit 47.000 m 3 Rauminhalt wurde nach dieser Bauart in drei Monaten bei einer Tages­leistung von 630 m 3 ausgehoben. Am Brenner lohnte sich bei den damaligen Arbeits­methoden und Löhnen für eine zweigleisige Bahn dieser Bauvorgang schon bei 7 m mittlerer Einschnittstiefe, mildes, leicht zu lösendes Material vorausgesetzt; in festeren Felsarten je nach der Gebirgsfestigkeit erst bei 11 bis 14 m Einschnittstiefe.

Das von der Bahn durchzogene Gebiet ist außerordentlich wasserreich, so daß der Bahnbau zum Großteil ein Kampf mit dem nassen Element war. Der Unter­grund der Dämme sowie die Böschungen der Einschnitte wurden durch Gräben, Schütze und Stollen ausgiebig und sorgfältig entwässert; die auf der Brennerbahn ausgeführten Entwässerungsbauten sind der Fachwelt als mustergültig bekannt und haben zweifellos zum ungestörten Bestände der Erd werke wesentlich beigetragen.

Die vielen Gewässer haben eine große Zahl von Durchlässen und Brücken aller Art erfordert, wobei den gewölbten Brücken der Vorzug vor den Eisentrag werken