Siebzig Jahre Brennerbahn.
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Lawine zerstört; im November 1904 waren die Gleise zwischen Gries und Brenner auf mehrere Kilometer Länge durch Lawinen vollkommen verlegt und alle Telegraphen- und Telephonleitungen zerstört. Trotzdem hunderte von Arbeitern Tag und Nacht an der Freimachung der Strecke eingesetzt waren, konnte der Zugsverkehr erst nach drei Tagen angestrengtester Tätigkeit auf einem Gleis aufgenommen werden.
Im Jahre 1910 wütete am Steilhang oberhalb der Bahn zwischen Schelleberg und Ast ein ausgedehnter Waldbrand, der trotz aller Anstrengungen erst durch einen ausgiebigen Herbstregen zum Erlöschen gebracht wurde, nachdem wertvolle Kulturboden in Ödflächen verwandelt und weite Schutz- und Bannwälder vernichtet waren.
Hochwasser haben auf der Nordrampe verhältnismäßig wenig geschadet; im Juni 1871 hatte ein Hochwasser der Sill den Bahnkörper zwischen Matrei und Innsbruck an einigen Stellen beschädigt, doch konnte der Zugsverkehr zur Not auf einem Gleis abgewickelt werden. Ärger wütete damals der Mühlbach, dessen Abflußstollen trotz des großen Querschnittes (14 m 2 ) durch Murmaterial mit Felstrümmern bis l 1 / 2 ni 3 und mitgeschwemmtes Holz vollständig verlegt und verklaust war. Die Wasser stauten sich hinter dem Bahnkörper an und ergossen sich teils durch den Bahntunnel (Mühltaltunnel), teils über den hohen Bahndamm, der in wenigen Stunden zerstört war, nachdem rund 30.000 m 3 abgeschwemmt waren. Für den Zugsverkehr wurde in größter Eile ein Holzprovisorium von 60 m Länge und 12 m größter Höhe errichtet und in den Bahndamm eine 18,4 m weite Eisen brücke eingebaut, der Bachstollen aber abgemauert.
Die Südrampe hatte weit mehr unter Hochwasser zu leiden. Im Oktober 1868 war der Bahnkörper zwischen Klausen und Bozen so beschädigt, daß der Zugsverkehr durch einige Tage eingestellt werden mußte; südlich von Bozen hatte die Verkehrsstörung sogar über einen Monat gedauert. Im Juni 1871 hatte ein Eisackhochwasser gleichfalls schwere Schäden an der Bahn verursacht, die mit größter Raschheit behoben wurden.
Nach längerem Regen und Schneefall in den Bergen brachte ein plötzlicher Föhneinbruch im Herbst 1882 große Wassermassen zu Tal, die in Südtirol und Kärnten ein katastrophales Hochwasser verursachten. An vielen Orten drangen die entfesselten Fluten über die Ufer und rissen mit unaufhaltsamer Gewalt allenthalben fruchtbares Land weg. Häuser stürzten ein, Straßen und Bahnen wurden aufs schwerste betroffen, auch Menschen gingen dabei zugrunde.
Der Bahnkörper der Brennerbahn war zwischen Brixen und Bozen auf mehrere Kilometer Länge gänzlich, in weiter Erstreckung aber teilweise zerstört; im Etschtal wie im Pustertal waren die Verwüstungen und Verheerungen noch ärger. Auf der Brennerbahn war der Zugsverkehr durch drei Monate vollständig unterbrochen. Diese große Hochwasserkatastrophe gab Veranlassung zu ausgedehnten Wildbachverbauungen und Flußregulierungen im ganzen betroffenen Gebiet.
In der Nacht vom 17. zum 18. August 1891 brachte ein Murbruch im Gonder- graben namenloses Elend über die Ortschaft Kollmann. Bei einem Hochgewitter hatte sich durch den Murbruch im engen Graben ein Stausee gebildet, dessen Fluten mit einem Male durchbrachen und in rasendem Lauf 26 Häuser