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Mitteilungen und Berichte.
Mittel des Institutes, vor allem die ohnehin nicht bedeutenden finanziellen Mittel, in keiner Weise herangezogen haben. Die Kosten der Drucklegung sind von opferfreudigen Verehrern des Gefeierten sofort zur Verfügung gestellt worden.
Alle Zweige der technischen Wissenschaft und der technischen Praxis und Industrie haben mit Begeisterung zusammengeholfen, damit die Festgabe entstehen konnte, und mit ganz besonderem Stolz erfüllt es uns, daß an der Spitze unseres Mitarbeiterstabes einer der bedeutendsten Geschichtsforscher unseres deutschen Volkes steht, der Präsident der Akademie der Wissenschaften, Prof. Dr. Heinrich Ritter von Srbik, der unserem Arbeitsausschuß seit langem als Mitglied angehört. Wenn wir für unsere Huldigung die Form einer Festschrift wählten, so haben wir gehofft, unserem Meister zu zeigen, daß wir gelehrige Schüler sind und daß der Same, den er gestreut und mühsam gehegt hat, doch nicht unter die Dornen gefallen ist. Er möge den Willen für das Werk nehmen und überzeugt sein, daß unsere Gabe aus aufrichtigen Herzen kommt, die ihm gehören und in treuer Freundschaft und Verehrung für ihn schlagen.
Wir wollen mit unserer Gabe zeigen, daß wir uns bemühen, die Lehre, die in seinen Arbeiten liegt, zu verstehen, daß wir den Weg gehen, der sein Weg war und den er uns Techniker gewiesen hat, den Weg des Geistes in der Technik.
Die heutige Geschichtsphilosophie sucht den Sinn und das Wesen der Geschichte in einem Absoluten und Unbedingten zu erkennen, in einem Zusichselbstkommen des Geistes. Dieser Wesensinhalt ist es, der uns Techniker dazu geführt hat, an dem Aufbau einer Technikgeschichte mitzuarbeiten, w r enn wir auch nur bescheidene Kärrnerdienste verrichten können. — Warum suchen wir den Weg des Geistes in der Technik ? — Groß und gigantisch sind die Werke der Technik, und die auf alle Sinne wirkende Größe der Technik hat schon in den ersten Anfängen der technischen Entwicklung ihre Werke den Augen der Menschheit als Weltwunder erscheinen lassen. Wenn wir von dem Gigantismus der Technik sprechen, und das geschieht heute begreiflicherweise oft, so ist es gut, sich den Sinn und das Schicksal der Giganten, wie es die griechische Sage erzählt, ins Gedächtnis zurückzurufen. Die Giganten, die Söhne der Gäa, sind das Sinnbild der aus der Erde geborenen, rohen Kraft, sie lehnten sich auf gegen die Götter des Olymp und wagten den Kampf, einen Kampf roher Kraft gegen göttlichen Geist. Sie wurden von den Olympiern besiegt und unter ihren eigenen Waffen, den Blöcken der Vulkane, begraben. Es ist das Schicksal erdgeborener Kraft, die sich gegen den Geist auflehnt, Kraft ohne ..Geist kann nicht bestehen, zuletzt siegt doch der Geist. Auch der Gigantismus der Technik stand nahe vor diesem Schicksal.
Die Technik unserer Zeit will sich nicht damit begnügen, nur an einer Welt sinnfälliger Machtmittel weiterzubauen, sie will den Geist dieser Größe erkennen und mithelfen, unserer Zeit einen inneren Gehalt zu geben, der der äußeren Größe würdig ist.
So sind wohl auch die Worte zu verstehen, die Erhard seiner Arbeit über die Entwicklungsgeschichte der Technik in der ersten Folge der „Blätter für Geschichte der Technik“ vorangestellt hat:
„Das Gigantische ist nur dann groß,
Wenn es innere Werte zeitigt.“