Mitteilungen und Berichte.
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Die inneren Werte zu erkennen und zu suchen, ist die Aufgabe gewesen, die sich Erhard gestellt hat, und der Weg des Geistes in der Technik, das ist auch sein Weg gewesen.
Wie die Geschichte aus den Lebensbeschreibungen großer Männer Erkenntnisse gewinnt für den ursächlichen Zusammenhang der Ereignisse und durch die Schau in das Gewesene und Vergangene den Blick in das Gewordene und Werdende schärft, so ist auch die Technikgeschichte diesen Weg gegangen und auch wir im Forschungsinstitut haben damit begonnen, Lebensbeschreibungen bedeutender Techniker zusammenzustellen und zu veröffentlichen. Ich erwähne nur die Lebensbeschreibungen von Haswell, Fritz Franz Maier, die großen Lebensbilder Karl Auers von Welsbach, Viktor Kaplans, August Musgers, Franz Uchatius’, Ferdinand Redtenbachers und im vorhegenden Heft Josef Werndls, der Brüder Knaus, Julius Lotts und der Freiherrlichen Familie Herbert.
Einer jedoch fehlt in dieser Reihe, der geistige Vater dieser Arbeiten, unser Jubilar selbst. Mancher wird vielleicht gedacht haben, daß unsere Festgabe dieses Versäumnis gutmacht, aber Erhard hält die Zeit noch nicht für gekommen, um über sich selbst Geschichte zu schreiben, er macht hoffentlich selbst noch recht lange Technikgeschichte.
Trotzdem möchte ich einiges aus seinem Leben erzählen, um zu zeigen, wie die Erkenntnis vom Geist der Technik seinen Lebensweg gestaltet und geführt hat.
Aus der bayrischen Ostmark, aus einer alten Passauer Familie stammt er, 1863 wurde er in Aicha v. W. geboren, studierte an der Münchener Technischen Hochschule, machte seine praktischen Studien in der Lokomotivfabrik Maffei in München und trat 1888 als Ingenieur in den Dienst des Bayrischen Gewerbemuseums in Nürnberg. Sein Vater war Arzt und die väterliche Erbmasse der wesentlichen Eigenschaften eines guten Arztes, das Verständnis für die Leiden der Menschen und die Bereitschaft, ihnen zu helfen, mag in dem Sohn, wenn er auch einen anderen Beruf ergriffen hat, die Grundlage für seine seelische Bereitschaft gelegt haben, als Techniker die Menschen zu verstehen, ihnen als Berater zu helfen und ihre Lebensbedingungen zu erleichtern.
Er hat nicht den Weg des praktisch schaffenden Konstrukteurs eingeschlagen, sondern sich zunächst der sozialen Seite seines Berufes zugewendet. Nachdem er in Nürnberg die mechanisch-technische Abteilung des Bayrischen Gewerbemuseums eingerichtet hatte, kam er 1898 als Baurat an das Gewerbeförderungsamt nach Wien, wo er in hohem Maße eine technisch-soziale Tätigkeit entfaltete. Sein Eintreten für die Förderung des mittelständischen Gewerbes, über das er auf dem II. Internationalen Mittelstandskongreß in Wien 1908 berichtete, fand Anerkennung im In- und Ausland. Schon als junger Ingenieur erkannte er den hohen ethischen Wert der technischen Gemeinschaftsarbeit, und diese Erkenntnis sozialen Geistes der Technik ist schon ein Wesenszug des geistigen Gehaltes der Technik.
Daneben bot ihm sein Beruf frühzeitig Gelegenheit, zwei andere angeborene Fähigkeiten zur Entfaltung zu bringen, die für sein weiteres Lebenswerk bestimmend waren: seine organisatorische Begabung und sein Blick für die entwicklungsgeschichtlichen und geistesgeschichtlichen Zusammenhänge in der Technik.
Als dreißigjähriger Oberingenieur wurde er schon 1893 zum bayrischen Kommissär