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Mitteilungen und Berichte.
für die Weltausstellung in Chicago bestellt und mit der Leitung der dortigen großen bayrischen Ausstellung betraut. Die dabei gemachten Erfahrungen sowie seine angeborene Begabung befähigten ihn, während seiner Tätigkeit beim österreichischen Gewerbeförderungsamt zahlreiche Fachausstellungen und auch im Jahre 1906 die erste technische Schau im Sudetenland in Reichenberg durchzuführen. So war es naheliegend, daß im Jahre 1908, als man in Wien den schon viel früher aufgetauchten Plan zur Errichtung eines technischen Museums verwirklichen wollte, Erhard in den Organisationsausschuß berief und ihm den Aufbau des Museums und seiner Sammlungen an vertraute. Der Anteil Erhards an diesem Werk, das sein Lebenswerk wurde, ist schon wiederholt von maßgebender Seite gewürdigt worden und ich möchte mich darauf beschränken, zwei Zeugnisse von Männern wiederzugeben, die an der Gründung des Museums in erster Reihe beteiligt waren. Sektionschef Dr. Brosche, der als Vertreterder Regierung dem Präsidium angehörte und der von Exner als Vater des Museums bezeichnet wurde, rühmt „die unvergleichliche Selbstlosigkeit und Arbeitsfreudigkeit Erhards und seine Genialität in der Fülle origineller Gedanken bei der Schaffung, Anordnung und Ausgestaltung der Schausammlungen“. Arthur Krupp, der Präsident des Kuratoriums seit der Gründung bis zu seinem Tode, bezeichnet Erhard als den „Wiener Oskar von Miller“. Unter unsäglichen Schwierigkeiten, während des großen Krieges und nachher, ist es Erhard gelungen, das Technische Museum zu einer technisch-historischen Bildungsstätte auszubauen, die nach den Zeugnissen berufener Fachleute Weltgeltung erlangt hat und als vorbildlich gewürdigt wird. Das Technische Museum in Wien ist vor allem ausgezeichnet durch die Klarheit seines Grundgedankens, der aus einer tiefen und reinen Erkenntnis des Grundgehaltes der Technik hervorgeht. Die Vielheit und Größe der technischen Geschehnisse wird nie verwirrend oder erdrückend empfunden, sondern überall ist der Geist der Technik das Ordnende und Herrschende.
So ist das Technische Museum eine eindringliche Lehre, die uns den Weg des Geistes in der Technik zeigt.
Als Erhard im Jahre 1930 wegen eines schweren Augenleidens von der Leitung des Technischen Museums zurücktrat, war seine geistige Arbeitskraft ungebrochen und sein Arbeitswille schuf sich ein neues Feld der Tätigkeit, das die Krönung seines Lebensw r erkes werden sollte: das Forschungsinstitut für Geschichte der Technik.
Noch als Direktor des Technischen Museums hatte er im Aufträge der Regierung eine Denkschrift über die Aufgaben und Ziele und die erforderlichen Mittel für eine derartige Anstalt verfaßt, und anläßlich der Hauptversammlung des Vereines deutscher Ingenieure in Wien im Jahre 1930 wurde die Gründung des Institutes in die Wege geleitet. Das Kuratorium des Technischen Museums, dem das neue Institut angegliedert wurde, setzte einen ehrenamtlichen Arbeitsausschuß ein aus namhaften Vertretern der technischen Wissenschaften und Praxis und bestellte Erhard zum ehrenamtlichen Leiter des Institutes.
Ich darf wohl daran erinnern, daß der damalige Unterrichtsminister, Präsident Dr. H. Ritter von Srbik, die schönste Taufrede für das Forschungsinstitut gehalten hat, als er bei der Eröffnung der Ausstellung „Österreichs Technik in Dokumenten der