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Die instrumentellen Grundlagen.
verwendet. Ein solcher „Gradbogen“ in Form einer halben Wachsscheibe mit Zeiger, ist uns ebenfalls durch eine Abbildung Agricolas überliefert (Bild 12). 1
Wachs als Material für Ritzmarken an markscheiderischen Instrumenten ist im übrigen nicht nur an den beschriebenen „Wachsscheiben“ gebräuchlich gewesen, sondern auch an anderen, offenbar bergbaulichen Obertagsvermessungen oder geodätischen Zwecken dienenden Geräten. Es besitzt nämlich die Montanistische Hochschule in Leoben — Lehrkanzel für Markscheidekunde — ein Zielgerät zum Aufsetzen für Neigungsmessung, 2 das die Jahreszahl 1599 sowie die Initialen „C. T.“ trägt und zur Aufnahme von Ritzmarken auf der einen Seite eines Gradbogen- segments eine Rille mit rotem, auf der anderen Seite eine Rille mit blauem Wachs besitzt (Bild 13). Das Wachs ist zweifellos alt, das Gerät selbst ist aus Messing verfertigt und vergoldet, sowie schön ziseliert. Ort und Gegend der Herkunft dieses alten Zielgerätes sind un-
Bild 13. Vergoldetes Zielgerät zum Aufsetzen für Neigungsmessung aus dem Jahre 1599.
( 2 lJache Verkleinerung.)
bekannt. Die in dem Bild deutlich ersichtliche Teilung am Zielgerät ist bemerkenswert, da sie ungleichmäßig, nämlich eine Tangens-Teilung ist.
Es ist somit ersichtlich, daß sich Aufzeichnungen über bergmännische Messungen, solange die „Wachsscheibenmethode“ üblich war, nicht erhalten konnten; erst nach Aufkommen der Bergkompasse mit Teilung ergab sich die Mög-
Bild 12. Anhalte-Gradbogen mit Wachsring.
(Ein Zeiger vertritt die Stelle eines Senkels; Teilung des Viertelkreises in 84 Teile, demnach Näherungswert für Grade. Nach G. Agricola. 2 /-Jache Verkleinerung.)
1 G. Agricola, 1. c., S. 106.
2 Inv.-Nr. V C 43.