Winkelmessung.
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lichkeit einer Ablesung der Streichungswinkel und späterhin auch das Bedürfnis, diese sowie andere Messungsergebnisse schriftlich niederzulegen und festzuhalten. Diese schriftlichen Aufzeichnungen sind dann die sog. „Schin- bücher“ und stellen, wie neuere Untersuchungen des Verfassers kürzlich ergeben haben, die ältesten erhaltenen Dokumente im österreichischen und deutschen Markscheidewesen dar. 1 Die ältesten Schinbücher Österreichs sind ein aus Eisenerz aus dem Jahre 1524, sowie ein aus Hallstatt aus dem Jahre 1528 stammendes Schinbuch (Bild 2 u. 96). Das eine wird im Landesarchiv zu Graz, das andere im Landesarchiv zu Linz a. D. aufbewahrt. Wie neu oder auch unbekannt Schinbücher oder markscheiderische Zugbücher selbst 30 Jahre später noch waren, geht daraus hervor, daß Agricola beim Beschreiben des österreichischen „Alpenkompasses“, also eines „Kompasses mit Teilung“, hervorhebt, daß „biefes 3nftrument feine ge= tDacfyften Hinge befiel" und die Markscheider „eine HTappe in bjänben galten, in melcfye fie bie 21blefungen bes 3nftrumentes eintragen .... unb bie ber £ad}ter anmerfen". 2
Es ist weiter bemerkenswert, daß der Verfasser den Gebrauch der Wachsscheibe für Österreich kürzlich erstmalig nachweisen konnte. 3
Die älteste Darstellung einer „Wachsscheibe mit Wasserbussole“ stammt aus dem Schwazer Bergbuch aus dem Jahre 1556 (Bild 14). Man sieht in eine viereckige
1 F. Kirnbauer, Die ältesten Dokumente deutschen Markscheidewesens, in: Montan. Rundsch. 27. Jg., H. 20, S. 1 bis 6. Wien 1935. Auch: Forsch, u. Fortschr. 11. Jg., S. 325 bis 326. Berlin 1935.
2 G. Agricola, 1. c., S. 117.
3 F. Kirnbauer, Wachsscheibenmethode, 1. c., S. 43.
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Bild 14. Schiner mit Wasserbussole aus dem Schwazer Bergbuch 1556.
(Leobener Codex 2737.)