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1940: Siebentes Heft : Die Entwicklung des Markscheidewesens im Lande Österreich / von Franz Kirnbauer
Entstehung
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Die instrumenteilen Grundlagen.

Holzplatte den Wassernapf eingelassen, der von zwei konzentrischen Wachsringen umgeben wird. Ein zweites Bild einerWachsscheibe mit Kompaß (Bild 15) befindet sich auf einer um 1650 aus dem Salzkammergut stammenden Gruben­karte. 1 Es handelt sich um einen Grubenriß des Salzbergbaus Michelhallbach bei Ischl, Oberdonau. Der Gepflogenheit der damaligen Zeit entsprechend, die bei der Vermessung benutzten Instrumente oder Markscheidergeräte auf der Grubenkarte abzubilden, ist der Verfertiger der Grubenkarte nachgekommen und hat einen Wachsscheibenkompaß an der linken unteren Ecke des Grundrißplanes angebracht

Bild 15. Scheiblingkompaß.

(Nach der Darstellung auf einer aus dem ober- österreichischen Salzkammergut aus der Mitte des 17. Jahrhunderts stammenden Grubenkarte; 2 f t fache Verkleinerung.)

Bild 16. Alpenkompaß mit Wachsringen ohne Teilung.

(Nach G. M. Vischer , 1669.)

und dazu die Worte vermerkt:Dife Sdpn ift mit bem fdjeibltng dompaft unb mit ber mag ortb mit ben «^mayen 21bfted?en gefdpnet ortb DerrtdJ morbten." Der Name des Markscheiders fehlt.

Es geht hieraus hervor, daß von der Mitte des 16. bis zur Mitte des 17. Jahr­hunderts Wachsscheiben mit Kompaß in Tirol und im Salzkammergut im Gebrauch standen und sieScheiblingkompaß genannt wurden. Dieser Name, offenbar mit dem WorteScheibe zusammenhängend, wurde sonst nirgends angetroffen. 2

Außer dieser Wachsscheibe mit Wasserbussole und demScheiblingkompaß ist auch noch ein dritter Nachweis eines Wachsscheibenkompasses, und zwar abermals für Oberösterreich, möglich, da Georg Mathäus Vischer, der berühmte Kartograph seiner Zeit, einen Kompaß in Form des Alpenkom­passes, jedoch anstatt einer Teilung mit drei Wachsrillen versehen, auf seiner

1 Dieser seltene Grubenriß, der eine Größe von 52 x 39 cm hat und in schwarzer Tuschzeichnung ausgeführt ist, befindet sich im O.-Ö. Landesarchiv zu Linz a. D. und trägt die Nr. 94 der Rißsammlung (Lade), Abt. Ischl. (Nr. 4 der KiRNBAUERschen Kopien alter Grubenkarten).

2 Als Ortsname kommtScheibling in der Ostmark vor: Scheiblingkirehen bei Aspang, Gau Niederdonau. Die Kirche des Ortes hat kreisrunden Querschnitt. Als Personenname: Scheiblechner in Erzhalden bei Hieflau, Gau Steiermark.