Winkelmessung.
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,,Dtc CTiarfjcfyeiber in ben 2 llpen benufceit, menu fie Stollen uermeffen, bie in ben fyöcfjften bergen getrieben finb, ebenfalls J / 2 £ad]ter lange Hiaßftäbe, bie aber aus brei mit Schrauben nerjefyenen teilen hefteten, fo baß fie »erfüll roerben fönnen. Sie benußen eine aus linbenbaft gefertigte Sd]nur, an bie fie Papierftreifen befeftn gen, bie bie ber Carter angeben, ferner ein ihnen eigentümliches 3nftrument
mit «feiger. <£s befißt nämlich feine gemachten Hinge. Dafür galten fie eine HTappe in ben bfänben, in melche fie bie 2lblefungen bes 3 n fh' um etttes Einträgen, b. h- mel« cfyen Ceilftrid} bas auf bent rücfroärtigen Ceil bes HTaßftabes aufgefeßte 3 n ft rum ent, > melcfyen Ceilftrid] feine «gunge unb melden Ceilftrid] bie ausgefpannte Schnur 3eigt, bie burd] brei Cocfyer ber < 3 unge fyinburcfygefyt. IDeiter merfen fie bie <§afyl ber Cachter an. Die «gunge gibt auch an, ob fich bie Schnur nach uorn ober nach hinten neigt. <£in lot, roie bie Hieimage, befiftt bas 3 nftniment nicht, fonbern bie 3 nnge ift am 3 nftrument befeftigt unb liegt gemiffermaffen auf ihm. Stollen uermeffen fie, um 311 ermitteln, mieoiel fie anfteigen, mieuiel Cacfyter ein unterer non einem oberen abfteht, tuiemel lachter nod] nicht aufgefahrenes (Seftein 3t»ifchen ben fjäuern anfteht, bie aus entgegengefeßter Hichtung auf ein unb bemfelben (Sang ober auf einer Querfluft ober auf 3tr>ei einanber 3ulaufenben graben."
Agricolas Alpenkompaß weist zwei Teilungen auf, und zwar eine innere, offenbar als Hauptteilung anzusprechende, rechtsinnische Teilung in 2 X 12 Stunden und eine äußere, vollkommen unverständliche Teilung, die ich als „Agricolas Alpenteilung“ bezeichnen möchte. Bei dieser ist der obere Halbkreis der Kompaßscheibe in 132 Teile geteilt, oder elf Teile ,,Alpenteilung“ sind 15 Grad oder 1 Stunde groß. Je elf Teile „Alpenteilung“ sind zusammengefaßt und rechtsinnisch mit 46, 57, 68, 79 usw. bis 178 beziffert. Diese Art der Bezifferung muß offensichtlich ihren Grund und Zweck gehabt haben, den wir aber heute nicht mehr verstehen können. Bemerkenswert ist auch, daß die innere Stundenteilung an Agricolas Alpenkompaß nicht in 8 / 8 oder 16 / 16 unterteilt ist, wie üblich, sondern in zehn Zehntelstunden. Auch diese Art der Unterteilung einer Stunde ist ganz eigenartig und nur an Agricolas „Alpenkompaß“ feststellbar. Leider ist auch kein Anhaltspunkt dafür vorhanden, von wo das von Agricola überlieferte „Instrument mit Zeiger“ oder der „Alpenkompaß“, wie wir jetzt sagen, herstammte; aus der Redewendung von den „Stollen, die in den höchsten Bergen getrieben werden“, kann vielleicht vermutet werden, daß es sich um einen Tiroler Einbussolenkompaß mit drehbarer Regel handelt.
Daß Agricolas „Alpenkompaß“, bewußt oder unbewußt, als Vorbild bei der Schaffung eines „Wachsscheibenkompasses“ mit drehbarer Regel für Schnuraufhängung verwendet worden war, darauf ist bereits im Abschnitt über die „Wachsscheiben-Methode“ hingewiesen worden. Dieser uns von Georg Mathäus Vischer aus dem Jahre 1669 überlieferte Kompaß ist ohne Teilung, besitzt dafür drei Wachsringe und ist in einem rechteckigen Holzgehäuse eingeschlossen 1 (Bild 16). Mehr als 100 Jahre später als Agricolas „Alpenkompaß“ muß sonach Vischers teilungsloser „Alpenkompaß mit Wachsringen“, wie bereits dargetan, als Rückschritt bezeichnet werden.
1 F. Kirnbauer, Wachsscheibenmethode, 1. c., S. 127.