G8
Die instrumentellen Grundlagen.
bogen oder Bergwaage und Schnur, vielleicht auch mit der Schrotwaage. E. Reinhold nivellierte 1574 mit Nivellierlatte, Schnur und Gradbogen, den er Wasserwaage oder Bergwaage nannte. 1 P. Wilski weist das Wort „Waage“ für 1468 erstmalig in der Schwazer Bergordnung, Kap. 1 und für 1477 in der Salzburger Bergordnung, §34 nach und meint, daß „wag“ = Kompaß näherliegender sei als „wag“ = Gradbogen. 1 Dem ist aber sicherlich nicht so. Denn „Waage“ hat mit „Kompaß“ nicht das Geringste zu tun, die „Waage“ ist eben der Gradbogen oder die „Bergwaage“, dagegen wurde in den österreichischen Bergbauen zur damaligen Zeit bereits das Arbeiten mit dem Kompaß „Die Schin“ genannt. Die Redewendung „Wag und Maß“, wie sie z. B. in der Salzburger Bergordnung vom Jahre 1532 vorkommt, bedeutet ganz einfach wag = Gradbogen oder Bergwaage, und maß = Schnurzug und Messen mit dem Maßstab. „Maß“ bedeutet demnach in
Bild 54. Bergwaage aus einem Hallstätter Schinzeug Zubehör aus der Zeit um 1709.
fVss der nat. Größe,.)
Bild 53. Bergwaage aus Hall i. T. aus dem Jahre 1673.
G/.j der nat. Größe).
allen österreichischen Nachweisen soviel wie Ein wägen oder Nivellieren, wozu man die Bergwaage (den Gradbogen) oder vielleicht auch das Schinzeug mit der Höhenkreiseinstellung Null verwendete.
Wenn wir nun auch beim Gradbogen, trotzdem er fast ohne Entwicklung und seit den ältesten Zeiten bis jetzt gleichgeblieben ist, dennoch eine Entwicklungsreihe auf stellen wollen (Entwicklungsreihe III), so sehen wir die ersten Gradbögen bei Francesco und Agricola um die Mitte des 15. und 16. Jahrhunderts in Verwendung. Die Gradbögen wurden mit gleichständigen oder gegenständigen Aufhängehaken versehen, ein einziges Mal treten uns Aufhängeösen entgegen. Aus der Mitte des 18. Jahrhunderts sind Gradbögen mit Sinusteilungen bekannt. Neuzeitliche Gradbögen sind noch ebenso wie alte angefertigt, nur mit genaueren Teilungen und verbesserten Ablesemöglichkeiten, Nonien u. a., ausgestattet. Als „Bergwaage“, „Erdwaage“ oder „Ebenwaage“ wurden im 17. und 18. Jahrhundert Gradbogensegmente bezeichnet, die zum Einwägen dienten.
1 P. Wilski, 1. c., S. 117. — Es ist möglich, daß das Wort „Wag“ bereits 1308 im Schladminger Bergbrief vorkommt, man müßte die Urschrift kennen; Lori gibt „sag“ an.