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1940: Siebentes Heft : Die Entwicklung des Markscheidewesens im Lande Österreich / von Franz Kirnbauer
Entstehung
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Winkel messung.

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eine Verlängerung der Nullinie eingezeichnet ist, überliefert, so daß eine genauere Ablesung der Lotrechten erfolgen konnte. Ein solcher Gradbogen ist auf einer Hallstätter Grubenkarte aus dem Jahre 1709, nebst anderen Markscheidergeräten, abgebildet.

Eine letzte beachtenswerte Form eines Gradbogens, die zu den im nächsten Absatz zu besprechendenBergwaagen hinüberleitet, stellt ein in Bild 26 wieder­gegebener Gradbogen aus Alt- Aussee dar. Er trägt die Anfangs­buchstabenM. R., des Namens des Verfertigers, darunter die .Jahreszahl 1728, und besteht aus einem beiderseits bis 65° beziffer­ten Gradbogensegment, das an zwei reich gravierten Armen gleichständige Aufhängehaken und dazwischen die österreichische Kaiserkrone trägt. Dieser Grad­bogen ist uns durch Bergrat Riedl überliefert, der ihn auf Blatt VII seiner Skizzen abbildete.

ZumEinwägen oder Nivel­lieren konnten die alten Mark­scheider sich entweder des Grad­bogens bedienen, indem sie auf dessen genau waagrechte Aufhän­gung achteten, oder aber sie ver­wendeten sog.Bergwaagen oderErdwaagen, von denen wir mehrere aus dem 17. und 18. Jahrhundert stammende Geräte aus den österreichischen Alpen - ländern kennen. UnterBerg­waagen sind Gradbogensegmente zu verstehen, die mit meist gleichständigen Aufhängehaken versehen sind und die Lotrechte vermittels eines angebrachten kleinen Senkels abzulesen gestatten. Wir haben sozusagen vereinfachte, verkümmerte Gradbögen vor uns, da zum Einwägen nur die Erzielung der Waagrechtstellung der Verziehschnur not­wendig ist. In der Markscheiderei des Bleibergwerkes Bleiberg in Kärnten (Be­triebsleitung II) ist eine etwa aus der Mitte des 18. Jahrhunderts stammende Bergwaage mit Delphindarstellung vorhanden. AndereBergwaagen aus den Jahren 1672 und 1709 sind in Bild 53 und 54 dargestellt.

Nach P. Wilski kennt das Schemnitzer Bergrecht schon Erbstollen und Schürf­stollen, also nivellierte man schon im Jahre 1244. 1 Dies geschah offenbar mit Grad-

1 P. Wilski, Markscheidekunde, 1. c., S. 116.

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Bild 52. Hängegradbogen, in Messing graviert, von Simon Oberhäuser zu Schwaz aus dem Jahre 1751.

( 4 / 10 der nai. Größe.)