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Die instrumenteilen Grundlagen.
reichende, einander entgegengesetzt bezifferte und bei 45° Bogenhöhe einander berührende Winkelfunktionsteilung auf. Die Rückseite des Gradbogens trägt ebenfalls Winkelfunktionsteilungen, und zwar als „Basis“ bezeichnet eine von der Waagrechten absteigend bezifferte Sinus-Funktionsteilung nach der Gleichung x — 12 sin oc für die Ebensohle einer 12 Lachter langen Schnur, und eine von der Lotrechten aufsteigend bezifferte Cosinus-Funktionsteilung für die Saigerhöhe einer Schnur von 12 Lachter oder Bergstabl Länge.
Im folgenden mögen nun einige Gradbögen näher beschrieben werden. In der Leobener Sammlung befindet sich ein aus der Zeit um 1700 stammender messingener Gradbogen mit gleichständigen Aufhängehaken, der eine Stundenteilung
mit doppelter Bezifferung aufweist. 1 Er ist einerseits in 2 x 6 Stunden, von der Lotrechten aufsteigend, beziffert, wobei statt Null die Zahl 12 steht, anderseits weist er eine rechtsinnische Teilung in 1 x 12 Stunden auf; jede Stunde ist in 16 Sechzehntel unterteilt.
Ein anderer Messinggradbogen 2 mit gegenständigen Aufhängehaken stammt von ,,IACOB WILTPRET IN WIENN“ aus dem Jahre 1773. Er ist in 2x90° geteilt, die unmittelbare Ablesung beträgt 30'; Null beginnt an der Senkel- linie. Name und Jahrzahl sind oberhalb der Senkelbefestigungsstelle in den Gradbogen geschnitten.
Aus späterer Zeit, aus dem Jahre 1780, stammt ein ebenfalls in der Leobener Sammlung befindlicher Gradbogen 3 von Franz Moser, Prag, der, aus Messingblech ausgesägt, durch seine beachtenswerten, gleichzeitig der Versteifung dienenden Zierformen auf fällt (Bild 51). Er ist auf steigend in 2x90° geteilt und besitzt gegenständige Aufhängehaken. Die Ablesung erfolgt unmittelbar auf Grade.
Weiter ist ein schön ausgeführter, dem Geschmack der damaligen Zeit entsprechend durch Gravierungen und Ornamente reich verzierter messingener Gradbogen, gediegene Tiroler Arbeit darstellend, in der Leobener Sammlung vorhanden 4 (Bild 52). Er besitzt gleichständige Aufhängehaken und trägt auf der Rückseite die gravierte Inschrift: • Simon ©berfyaufer Don Sdpr>a 3 2tnno (75( •
Die Vorderseite des Gradbogens trägt die Teilung in 2x90°, die mit der Bezifferung Null an der Lotrechten beginnt. Jeder Grad ist in vier Teile unterteilt, so daß die unmittelbare Ablesung 15' beträgt.
Heute werden Gradbögen meist wieder mit gleichständigen Aufhängehaken hergestellt. Obwohl gegenständige Aufhängehaken gegenüber den gleichständigen fortschrittlicher sind, sind erstere im 19. und 20. Jahrhundert nicht sehr häufig in Gebrauch. Aus dem Beginne des 18. Jahrhunderts ist uns die Darstellung eines Gradbogens mit einem trapezförmigen Fortsatz an seinem Scheitelpunkt, an dem
1 Leobener Lehrkanzel für Markscheidekunde. Inv.-Nr. VC 65.
2 Inv.-Nr. V C 66.
3 Inv.-Nr. VC 19.
4 Inv.-Nr. 25.
Bild 51. Gradbogen von Franz Moser, Prag, aus dem Jahre 1780.
(Vs der nat. Größe.)