Winkelmessung.
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und wird in die geschlitzten Aufhängehaken ein Messingstift gesteckt, um ein Abgleiten des Gradbogens von der günstigsten Auf hängesteile zu verhindern. Eine eingehende theoretische Untersuchung über die Verwendung des Gradbogens zur Bestimmung der Neigungswinkel gespannter Schnüre und die günstigste Aufhängestelle der Gradbögen wurde vor kurzem von F. Perz veröffentlicht. 1 Der älteste Gradbogen, der gegenständige Aufhängehaken besitzt, ist mir aus dem Jahre 1737 bekannt. Auch diese können für steile Schnüre wieder durchbrochen sein. Um das Jahr 1850 wurde von 0. E. Kraft, Wien, ein noch später zu besprechender Fernrohrkompaß gebaut und diesem ein Gradbogen mit Aufhängeösen statt Aufhängehaken beigegeben, 2 was sicher nicht als sehr gelungen bezeichnet werden kann, da man bei diesem Gradbogen vor Gebrauch die Verziehschnur erst durchziehen muß.
Bevor ich einige der wichtigeren, in ost- märkischen Sammlungen befindliche Gradbögen und deren Abart, die sog. „Bergwaagen“, etwas eingehender beschreibe, möchte ich auf zwei besondere Gradbögen des deutschen und österreichischen Bergbaus hin- weisen. Der eine ist in Form einer Bergbarte ausgebildet und stammt aus dem Jahre 1585.
Diese gehörte dem Herzog Julius von Braun - schweig-Wolfenbüttel und befindet sich jetzt im Museum zu Wolfenbüttel. 3 Der Schaft der Bergbarte trägt verschiedene bergmännische Längenmaße, die Axt hat eine Gradteilung und eine Senkeleinhängemöglichkeit. Der andere Gradbogen ist durch seine besondere Teilung bemerkenswert: August Beyer, der berühmte Schneeberger Markscheider, hat 1749 einen Gradbogen angegeben, 4 der an Stelle des Neigungswinkels die Saigerhöhen und Ebensohlen abzulesen gestatten sollte und zwei dementsprechende Teilungen auf- wies. Dieser im Sächsischen Erzgebirge in Verwendung gestandene Gradbogen muß auch in österreichischen Bergbauen Eingang gefunden haben, da sich in der Leobener Sammlung 5 ein etwa aus der Mitte des 18. Jahrhunderts stammender, aus Silber gefertigter, leichter und schmaler Gradbogen mit gleichständigen Aufhängehaken befindet, der eine Sinus- und Cosinusteilung für eine 12 Lachter oder Bergstabl lange Schnur trägt (Bild 50). Die Vorderseite dieses Gradbogens weist zur Hälfte eine von 0 bis 90° aufsteigendbezifferte Gradteilung, zur anderen Hälfte eine als „Umbra Recta“, und eine als „Umbra Versa“ von 0 bis 60
1 F. Perz, Die Verwendung des Gradbogens zur Bestimmung der Neigungswinkel gespannter Schnüre. Berg- u. Hüttenm. Jb., Bd. 80, S. 23 bis 35 und 60 bis 74, Leoben- Wien 1932.
2 Leobener Lehrkanzel für Markscheidekunde, Inv.-Nr. VC 23.
3 Bild nach F. M. Feldhaus, in der Sammlung Kirnbauer befindlich.
4 A. Beyer, Markscheidekunst. S. 41 ff., Schneeberg i. Sa. 1749. — Auch F. Perz weist auf S. 24 seiner Arbeit „Die Verwendung des Gradbogens“. . ., 1. c., auf diese Art des Gradbogens hin.
5 Inv.-Nr. VC 64.
Bild 50. Silberner Gradbogen mit Sinus-Funktion-Teilung für 12 Lachter- Schnur, 18. Jahrhundert. Die Teilung der Rückseite dünn angedeutet.
P/ 5 der nat. Größe.)
Geschichte der Technik, 7. Heft.
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