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1940: Siebentes Heft : Die Entwicklung des Markscheidewesens im Lande Österreich / von Franz Kirnbauer
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Die instrumenteilen .Grundlagen.

Wir können uns vors teilen, daß Gradbögen schon seit vielen Jahrhunderten im deutschen und österreichischen Bergbau in Gebrauch waren. G. Agricola bildet 1556 eine bereits auffallend hochentwickelte Form des Gradbogens ab 1 (Bild 49), die, wie P. Wilski 2 auch bereits hervorhebt, bei der Langsamkeit der damaligen Entwicklung vermuten läßt, daß es sich um eine vorausgegangene mehr­hundertjährige Entwicklung handeln könnte. Agricola gibt für die Wassersaige eines Stollens 1: 100 an und zu ihrer Absteckung bediente er sich des Gradbogens. Erwähnt soll werden, daß der Holzschnittmeister Agricolas den Gradbogen zwar in Hängelage, aber mit dem Senkel nach oben, dargestellt hat (Bild 49, links unten).

Agricolas Gradbogen hat gleichständige Auf­hängehaken und ist aufsteigend in 2x6 Stun­den geteilt; statt der Bezifferung Null trägt die Lotrechte die Zahl 12. Außer dem soeben be­schriebenen Hängegradbogen bildet G. Agri­cola 3 auch noch einen Anhaltegradbogen mit Wachsring ab (Bild 12), auf den bereits S. 24 hingewiesen wurde. Dieser Anhaltegrad­bogen besitzt statt eines Senkels einen Zeiger und ist dadurch bemerkenswert, daß sein Halb­kreis in 168 gleiche Teile geteilt ist, die am besten alsNäherungsgrade bezeichnet wer­den können. Die älteste Abbildung eines Gradbogens gebe ich in Bild 17 wieder. Es ist dies die bereits erwähnte Darstellung des An­legens einer Mine unter Benutzung von Schnur­zügen, Kompaß und Gradbogen, nach einer Zeichnung von Francesco di Giorgio Martini um .1465. 4 Francesco war, wie erwähnt, einer der bedeutendsten italienischen Be­festigungstechniker um die Mitte des 15. Jahrhunderts. Rechts unten im Bilde, sowie über und zu beiden Seiten des Turmes der Festung sind Gradbögen zu sehen. Vermutlich stellen die A-förmigen Dreiecke mit Senkel eine Art Bergwaagen dar, also Geräte, mit denen bloß die Lotrechte oder Waagrechte allein angegeben werden konnte.

Im allgemeinen ist der Gradbogen seit den ältesten Zeiten bis auf heute in seiner Größe fast stets gleich, sein Zweck und seine Anwendung sind ganz unverändert geblieben. Nur geringfügige Unterscheidungen können wir in der Entwicklung des Gradbogens feststellen: Um ein Gleiten an der Schnur und eine bessere Gleichgewichtslage des Gradbogens zu erreichen, wurden einerseits für steile Aufhängungen die Aufhängehaken durchbrochen, anderseits die gleich- ständigen Aufhängehaken durch gegenständige ersetzt. Bei steilen Schnüren wurde

1 G. Agricola, 1. c., S. 116. Deutsche Neuausgabe, Berlin 1928,

2 P. Wilski, Markscheidekunde, 1. c., Bd. II, S.117.

3 G. Agricola, 1. c., S. 106. 1928.

4 F. M. Feldhaus, Antike Mittelalter, Museum der Weltgeschichte, 1. c., S. 365, Abb. 387, Berlin 1931. Auch Lichtbild in Sammlung Kirnbauer.

Bild 49. Agricolas Gradbogen, 1556.

( 2 I j der nat . Größe .)