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1940: Siebentes Heft : Die Entwicklung des Markscheidewesens im Lande Österreich / von Franz Kirnbauer
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Die instrumenteilen Grundlagen.

nannter Verfasser der Freiberger Berghauptmann F. W. v. Oppel war . 1 Hierin wird auf die damals bereits ziemlich lange und allgemein bekannte Tatsache hin- gewiesen, daß bei unter- und übertägigen Aufnahmen Eisen- oder Magnetsteine und eisenschüssige Gangarten den Gebrauch der sonst so geeigneten und zuver­lässigen Magnetnadel beeinträchtigen oder ganz ausschließen. Oppel beschreibt daher zwei Bauarten vonEisenscheiben,durch deren Hülfe die Wingel, welche söhlige Linien mit einander machen, ohne Magnetnadel gefunden werden, sowie das von ihm angewendete, zum Teil recht umständliche Meßverfahren.

Nicolaus Voigtel erwähnt bereits in seiner ersten, 1686 erschienenenGeo- metria subterranea oder Marckscheide-Kunst auf Taf. 2 und S. 25 Eisenscheiben, bei denen die gespannte Schnur als Alhidade diente. Weiter beschreibt er in seiner 1713 zu Eisleben erschienenenVermehrten Geometria subterranea dasMarck-

scheiden auf Eisen-Gruben mit Behülff zweyer Schei­ben. Es sind dies Messingscheiben mit rechtsinni- scher Stundenteilung ohne Alhidade. Die Eisenschei­ben wurden mit Hilfe einer kleinen Setzwaage söhlig gestellt, das Fallen oder Steigen der Schnüre mit dem Gradbogen gemessen. Voigtel empfiehlt, an die erste Schnur den Kompaß anzuhängen, ,,unb 3 mar an bem (Drte, mo ber <£ifenfd]uff bas CTiagueh^üng-' lein am menigftert pertubiret, nur 3 imernelpnen, nadi meld]er <£cfe ber IDelt ber < 5 ug »errichtet roerbe, bamit man felbigen aud - ; aufm papptere nach ben oiercfen ber IDelt 3 U legen forme. Als nächster beschreibt August Beyer 1749 eine Eisenscheibe mit dreh­barer Regel mit Loch zum Einfädeln der Schnur. Eine solcheEinfache Eisen­scheibe mit Schnurzugalhidade wird gegenwärtig noch in der Markscheiderei zu Bleiberg in Kärnten aufbewahrt (Bild 55). N. Voigtel bildet weiter 2 eine Eisenscheibe ab, die eine Gradteilung aufw T eist, um eine an einer Holzschraube sitzenden Kugel drehbar ist und in waagrechter Lage, nach Aufsetzen einer Setz­waage, festgeklemmt werden konnte.

Dies sind somit drei uns überlieferte Formen von Eisenscheiben, die der Messung von Lagewinkeln dienten. Die Benennung Eisenscheibe bezog sich nicht auf das Metall, woraus die Geräte verfertigt wurden, sondern nur auf ihren Gebrauch in Eisensteingruben oder bei ablenkenden Eisenteilen. Um nun auch Höhenwinkel messen zu können, konstruierte Johann Gotthelf Studer, 3 der bereits bei den Hängekompassen genannte Freiberger Markscheider und Mechaniker, nach zehn­jähriger Entwicklung um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert ein neues In­strument. Es stellt ein mit einem Grundkreis (Teilkreis und Ablesealhidade) ver­sehenes Schinzeug dar, wurde von Studer 1801 veröffentlicht und ist als seine

Bild 55. Eisenscheibe aus Blei­berg aus der Zeit um 1750.

fVs der nat. Größe )

1 K. Lüdemann, Die Eisenscheibe von Johann Gotthelf Studer. Zeitschr. f. Instrnmentenkunde, 54 Jg., 10. H., S. 365, Berlin 1934.

2 N. Voigtel, Ausgabe 1686, Taf. 9, S. 147ff.

3 K. Lüdemann, Die Eisenscheibe von J. G. Studer, 1. c., S. 366.