70
Die instrumenteilen Grundlagen.
nannter Verfasser der Freiberger Berghauptmann F. W. v. Oppel war . 1 Hierin wird auf die damals bereits ziemlich lange und allgemein bekannte Tatsache hin- gewiesen, daß bei unter- und übertägigen Aufnahmen Eisen- oder Magnetsteine und eisenschüssige Gangarten den Gebrauch der sonst so geeigneten und zuverlässigen Magnetnadel beeinträchtigen oder ganz ausschließen. Oppel beschreibt daher zwei Bauarten von „Eisenscheiben“, „durch deren Hülfe die Wingel, welche söhlige Linien mit einander machen, ohne Magnetnadel gefunden werden“, sowie das von ihm angewendete, zum Teil recht umständliche Meßverfahren.
Nicolaus Voigtel erwähnt bereits in seiner ersten, 1686 erschienenen „Geo- metria subterranea oder Marckscheide-Kunst“ auf Taf. 2 und S. 25 Eisenscheiben, bei denen die gespannte Schnur als Alhidade diente. Weiter beschreibt er in seiner 1713 zu Eisleben erschienenen „Vermehrten Geometria subterranea“ das „Marck-
scheiden auf Eisen-Gruben mit Behülff zweyer Scheiben “. Es sind dies Messingscheiben mit rechtsinni- scher Stundenteilung ohne Alhidade. Die Eisenscheiben wurden mit Hilfe einer kleinen Setzwaage söhlig gestellt, das Fallen oder Steigen der Schnüre mit dem Gradbogen gemessen. Voigtel empfiehlt, an die erste Schnur den Kompaß anzuhängen, ,,unb 3 mar an bem (Drte, mo ber <£ifenfd]uff bas CTiagueh^üng-' lein am menigftert pertubiret, nur 3 imernelpnen, nadi meld]er <£cfe ber IDelt ber < 5 ug »errichtet roerbe, bamit man felbigen aud - ; aufm papptere nach ben oier €cfen ber IDelt 3 U legen forme“. Als nächster beschreibt August Beyer 1749 eine Eisenscheibe mit drehbarer Regel mit Loch zum Einfädeln der Schnur. Eine solche „Einfache Eisenscheibe“ mit Schnurzugalhidade wird gegenwärtig noch in der Markscheiderei zu Bleiberg in Kärnten aufbewahrt (Bild 55). N. Voigtel bildet weiter 2 eine Eisenscheibe ab, die eine Gradteilung aufw T eist, um eine an einer Holzschraube sitzenden Kugel drehbar ist und in waagrechter Lage, nach Aufsetzen einer Setzwaage, festgeklemmt werden konnte.
Dies sind somit drei uns überlieferte Formen von Eisenscheiben, die der Messung von Lagewinkeln dienten. Die Benennung Eisenscheibe bezog sich nicht auf das Metall, woraus die Geräte verfertigt wurden, sondern nur auf ihren Gebrauch in Eisensteingruben oder bei ablenkenden Eisenteilen. Um nun auch Höhenwinkel messen zu können, konstruierte Johann Gotthelf Studer, 3 der bereits bei den Hängekompassen genannte Freiberger Markscheider und Mechaniker, nach zehnjähriger Entwicklung um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert ein neues Instrument. Es stellt ein mit einem Grundkreis (Teilkreis und Ablesealhidade) versehenes Schinzeug dar, wurde von Studer 1801 veröffentlicht und ist als seine
Bild 55. Eisenscheibe aus Bleiberg aus der Zeit um 1750.
fVs der nat. Größe )
1 K. Lüdemann, Die Eisenscheibe von Johann Gotthelf Studer. Zeitschr. f. Instrnmentenkunde, 54 Jg., 10. H., S. 365, Berlin 1934.
2 N. Voigtel, Ausgabe 1686, Taf. 9, S. 147ff.
3 K. Lüdemann, Die Eisenscheibe von J. G. Studer, 1. c., S. 366.