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1940: Siebentes Heft : Die Entwicklung des Markscheidewesens im Lande Österreich / von Franz Kirnbauer
Entstehung
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Winkelmessung.

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eigene Erfindung anzusehen, wie aus einer sehr genauen Untersuchung K. Lüde- manns 1 hervorgeht.

Der Freiberger Poch- und Wäschgeschwome Krumpel, der Studer 1792 seine Ansichten über eine Verbesserung der Eisenscheibe mitteilte, dürfte Studer be­einflußt haben, wobei dieser sich von vornherein das Ziel gesetzt hatte, ein Gerät zu schaffen, dassowohl in Schächten als auf Strecken brauchbar ist. Ob dem Geschwornen Krumpel seinerseits ein öster­reichisches Sch in zeug bekannt gewiesen ist, kann nicht entschieden werden, ist aber viel­leicht, wenn man die Nähe von Joachimsthal,

Zinnwald oder Graupen in Betracht zieht, nicht ausgeschlossen.

Studers Eisenscheiben waren zu ihrer Zeit weit verbreitet. Sie müssen auch im öster­reichischen Bergbau Eingang gefunden haben, da die Leobener Lehrkanzel für Markscheide - künde in ihrer historischen Sammlung eine aus der Zeit um 1800 stammende Eisenscheibe STUDERscher Bauart besitzt 2 (Bild 1 (Mitte oben) und Bild 56). Das Instrument ist aus Messing verfertigt und gemahnt an die alten Schinzeuge. Es best eht aus einem Grund- kreis und einem mittigen, drehbar angeord­neten Höhenkreis. Der Grundkreis hat als Alhidade einen Ablesearm, der mit dem Höhen - kreis fest verbunden ist. Die Teilung des Grundkreises ist rechtsinnisch in 2x12 Stun­den, jede Stunde ist weiter in 32 Teile unterteilt.

Die beiderseitig angebrachte Teilung des Höhen- bogens beginnt mit Null an der Waagrechten und läuft für Höhenwinkel von 0 bis 85°, für Tiefenwinkel von 0 bis 45°. Wir sehen auch hier die Verschiedenheit der Teilung zwischen Grundkreis und Höhenkreis, die Studer mit Absicht oder unbewußt anwandte, gleich wie sie uns von den alpenländischen Schinzeugen und Setzkompassen her bekannt ist, die meist in Halbstunden und (ganze) Stunden geteilt waren. Zur Ab­lesung am Höhenkreis der STUDERschen Eisenscheibe dient ein mit einem Aufhänge­haken versehener beweglicher Zeiger, wie wir ihn ebenfalls von den Schinzeugen her kennen, der an seinem verlängerten Ende ein Gegengewicht trägt. Der Teilkreis der Eisenscheibe hat einen Durchmesser von 180 mm und ist auf einem Zapfen mit Kugelgelenk befestigt, so daß er mittels vier Stellschrauben waagrecht einstellbar ist. Das Ganze ruht auf einem mit vier Schrauben versehenen Holzbrett.

Bild 56. Eisenscheibe von Studer aus der Zeit um 1800.

(Aus K. Lüdemann, Die Eisenscheibe von Johann Gotthelf Studer, Zeitschr. f. Instru­mentenkunde, 54. Jg., 10. H., S. 367. Berlin 1934.)

1 K. Lüdemann, ebenda, S. 367.

2 lnv.-Nr. VC 13.