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Die instrumen teilen Grundlagen.
Über den Gebrauch der Eisenscheibe macht Studer nach K.Lüdemann 1 folgende Angaben: Die Aufstellung der Eisenscheiben erfolgte in Strecken mittels waagrechter, hölzerner Spreizen, die in einem Abstand von 5 bis 6 Lachtern (10 bis 12 m) geschlagen wurden. Auf den Spreizen wurden die Holzbretter der Eisenscheiben aufgeschraubt und letztere mittels einer Dosenlibelle waagrecht gestellt. Auf dem vorhergehenden und dem nachfolgenden Zugpunkte wurden Messingstifte von bestimmter Höhe, die mit Ösen versehen waren, eingeschraubt. Dann erfolgte das Spannen der Schnur zwischen der Öse des Messingstiftes des rückwärtigen Punktes und dem Haken der Regel der Eisenscheibe, deren Teilung auf Stunde 12 gestellt war; nun erfolgte die Ablesung des Höhenwinkels und die Messung der Länge der Schnur. Sodann folgte das Ziehen der Schnur zum Messingstift des neuen Punktes und es wurden ebenfalls Schnurlänge sowie der Höhen- und Lagewinkel, der nunmehr unmittelbar erhalten wurde, gemessen. Nach Studers Angabe verwendete man praktischer Weise zwei Eisenscheiben und 6 oder 8 Füße bei einer Messung. Auch für Steilschachtmessungen konnte Studer seine Eisenscheiben verwenden und gab hierfür auch das Verfahren an. 1
Zwei Jahre nach Studer, im Jahre 1803, veröffentlichte J. v. Komarzewski, ein polnischer Generalleutnant, der 1796 in Freiberg Bergwesen studiert hatte, einen angeblich von ihm erfundenen „Unterirdischen Winkelmesser“. In Wirklichkeit ist dieser jedoch eine Eisenscheibe STUDERscher Bauart, welche, wie K. Lüdemann in der mehrfach genannten jüngst erschienenen Arbeit, nach wies, 2 bloß in einigen Einzelheiten Abänderungen zeigt, wie die Vervollständigung des Höhenbogens auf 180° und die Anbringung eines zweiten Ablesearmes mit Schnuranhängemöglichkeit. Obwohl sich J. v. Komarzewski ausdrücklich als Erfinder dieses Instrumentes, das er in den Jahren 1795 und 1796 erdacht und gebaut haben wollte, bezeichnet, konnte K. Lüdemann in der genannten Untersuchung den Nachweis erbringen, daß die Verbesserung der Eisenscheibe durch Einführung eines Höhenkreises, eines Kugelgelenkes sowie zwangszentrierter Zielstifte um das »fahr 1800 das Werk -1. G. Studers ist, der dazu von dem Wäschgesch women Krumpel angeregt wurde, und daß Komarzewski daran keinen wesentlichen geistigen Anteil besitzt.
Die Eisenscheiben sind nach Studers Neuformung vielfach, etwa bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts benutzt worden. J. N. Lang von Hanstadt 3 beschreibt sie 1835 noch sehr ausführlich, und zwar in der Bauart mit zwei vollen Höhenkreisquadranten und zwei Schnurzugalhidaden. Um 1850 wurden die STUDERschen Eisenscheiben durch die sogenannten „Hilfshängezeuge“ ersetzt und durch den immer stärker werdenden Gebrauch des Theodolits in der Grube verdrängt.
Wenn wir nun die bisher besprochenen Markscheiderinstrumente mit mechanischer Winkelfestlegung von einem einheitlichen Gesichtspunkte aus betrachten, so können wir, vom „Alpenkompaß“ Agricolas ausgehend, eine klar erkennbare neue Entwicklungsreihe bis zur STUDERschen Eisenscheibe feststellen (Entwicklungsreihe IV): Das Schinzeug war, wie früher zu sehen war, bis etwa um die Zeit um 1600 herum, mit dem Einbussolenkompaß, von da ab mit dem Zweibussolen-
1 K. Lüdemann, Eisenscheibe von Studer, 1. c., S. 368.
2 K.Lüdemann, 1. c., S. 371.
3 Joh. Nep. Lang von Hanstadt, Anleitung zur Markscheidekunst. S. 202. Pest 1835.