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Die instrumenteilen Grundlagen.
müssen wir als Endglied dieser Entwicklungsreihe die Eisenscheibe J. G. Studers vom Jahre 1801 bezeichnen. — In neuerer Zeit griff Zdarsky auf den Gedanken der Eisenscheiben bei der Schaffung seines Schnurtachymeters zurück.
Hilfshänge zeuge.
Daß der Kompaß in Gegenwart von ablenkenden Eisenmassen nicht ohne weiters brauchbar ist, hat man schon frühzeitig erkannt. Diese Erkenntnis führte bereits im Jahre 1686 durch Nikolaus Voigtel zum Bau der im vorhergehenden Abschnitt besprochenen Eisenscheiben. Diese Eisenscheiben blieben bis etwa 1830 im allgemeinen Gebrauch, obwohl sie selbst noch 1873 als a.usnahmsw r eise in Verwendung stehend erwähnt werden. 1 Die unmittelbare Nachfolge der Eisenscheiben trat dann der Theodolit an. Um jedoch auch mit dem Kompaß in Gegenwart ablenkenden Eisens arbeiten zu können, wurden im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts sogenannte „Hilfshängezeuge“ erfunden. Die an sie gestellte Forderung war die Einlot bar- keit (Zentrierfähigkeit) des Kompasses im Winkelscheitel mit der Nebenbedingung der Erhaltung der Höhenlage in Unabhängigkeit von der Schnurneigung. Die erste derartige Vorrichtung baute 1834 der Freiberger Bergamtsassessor Braunsdorff, nach dem auch das Gerät das „BRAUNSDORFsche Hilfshängezeug“ benannt ist. Der ersten Erfindung folgten noch w-eitere derartige Hilfshängezeuge, so das „verbesserte BRAUNSDORFsche Hilfshängezeug“, 1856 das Hilfshängezeug von Reichelt, 1873 dasjenige von Lehmann, 1880 das von Penkert und 1899 das Hilfshängezeug von Langer. Weiter gehören noch hierher die Hilfshängezeuge von Schreiber (1870), von Fuhrmann (1878) und von Hildebrand (um 1880). 2 Auch in Österreich hatten diese Kompaßinstrumente Eingang gefunden.
Bussolen inst r umente.
Werden Instrumente, die geodätischen oder markscheiderischen Zwecken dienen, mit einer Zielvorrichtung versehen, so nennt man sie Zielinstrumente. Es ist bei ihnen sonach die an den bisher beschriebenen Instrumenten beobachtete mechanische Verkörperung der Winkelschenkel durch eine optische, durch eine Ziellinie ersetzt. Als mechanische Verkörperung der Winkelschenkel sind sowohl die Ritze im Wachs der Wachsscheiben als auch die Schnüre oder metallenen Schnurzugalhidaden an Schinzeugen und Eisenscheiben und endlich in weiterem Sinn auch die stets nach Norden weisende Magnetnadel der Kompasse anzusehen.
Reine Zielinstrumente sind daher solche, bei denen beide Winkelschenkel durch je eine Ziellinie festgehalten werden, und als Bussoleninstrumente möchte ich im folgenden alle jene Kompaßinstrumente besprechen, die mit einer Ziel Vorrichtung ausgestattet sind. Bei allen Meßverfahren mit ihnen wird nach dem Obengesagten der Streichungswinkel dadurch festgehalten, daß die nordweisende Magnetnadel den einen, mechanisch verkörperten Winkel-
1 C. Krause, S. 46, 1. c.; Weisbach-Choulants, Abriß der Markscheidekunst. S. 110. 1873.
2 Näheres hierüber im Schrifttum bei 0. Brathuhn, C. Krause, 1. c. u. a.