Heft 
1940: Siebentes Heft : Die Entwicklung des Markscheidewesens im Lande Österreich / von Franz Kirnbauer
Entstehung
Seite
75
Einzelbild herunterladen

Winkelmessung.

75

Schenkel, und die Ziellinie der Visiervorrichtung den anderen, zweiten Winkelschenkel optisch darstellt. Die Behandlung der reinen Zielinstrumente bleibe dem nächsten Abschnitt Vorbehalten.

Zielkompasse.

Das älteste im Markscheidewesen bekannte Bussoleninstrument ist ein von Erasmus Reinhold im Jahre 1574 beschriebener V i s ie r k o m pa ß. Eine Abbildung von Reinholds Kupferstich veröffentlichte seinerzeit C. Krause. 1 Es ist der erste bergmännische Kompaß, der statt der Stundenteilung eine Gradteilung aufweist.

Bild 57. Hallstätter Markscheider mit Zielkompaß bei der Arbeit; um 1700. Ausschnitt aus einer Grubenkarte von Tobias Styger aus dem Jahre 1698.

fVa Größe der Darstellung.)

Er ist rechtsinnisch von 0 bis 360, fortschreitend von 5 zu 5°, beziffert und stellt wahrscheinlich eine Erfindung Reinholds dar. Mittig über der Kompaßbüchse ist ein drehbarer Zeiger angebracht, der an seinen beiden Enden ein Abschauen trägt. Unter einem ,,Abschauen oderDiopter versteht man Schauöffnungen in Blenden oder Sehschlitze, wie sie bereits Heron von Alexandria um 130 v. Chr. kennt. Bei Reinholds Visierkompaß ist die Zielrichtung noch nicht, wie es heute üblich ist, mit der Teilung starr verbunden und diese ist daher rechtsinnisch, im Sinne des Uhrzeigers, gehalten.

Der nächst] üngere, mir bekannt gewordene Zielkompaß ist auf einer Hallstätter Grubenkarte aus dem Jahre 1698 abgebildet (Bild 57). 2 Es ist dies eine 1,63x2,22 m große Grubenkarte, die den damaligen Markscheider Tobias Styger zum Verfasser hat und hauptsächlich dadurch bemerkenswert ist, daß im linken unteren Eck Mark-

1 C. Krause, 1. c., S. 25.

2 O.-Ö. Landesarchiv Linz, Gerollte Grubenkarten HX VI.