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1940: Siebentes Heft : Die Entwicklung des Markscheidewesens im Lande Österreich / von Franz Kirnbauer
Entstehung
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Die instrumentellen Grundlagen.

Graden ablesbar, wobei die 0180er Richtung des Kompaßringes um ungefähr 100° gegen die 0180er Richtung des Grundkreises verdreht ist. Am Boden der Kompaßbüchse sind die vier Weltrichtungen eingraviert, wobei die NS-Linie neuerlich um etwa 4° gegen Osten von der Null-Linie des Stundenringes ab weicht; der Nordpunkt liegt demnach bei 356°, der Südpunkt bei 176°. Das Maß der Abweichung stellt die Mißweisung dar. Die Kompaßnadel kann durch ein Messingplättchen mit Schraube vom Stift abgehoben und geklemmt werden.

Der Höhenkreisbogen hat einen Halbmesser von 75 mm und weist eine Grad­teilung auf, die beiderseits, an der Lotrechten mit Null beginnend, bis 56° reicht. Die unmittelbare Ablesung, die somit sofort Höhen- und Tiefenwinkel ergibt, beträgt halbe Grade und erfolgt mittels eines festangebrachten Kennstriches. Das Abschauen ist mittig über dem Höhenkreisbogen angebracht und sowohl in bezug auf seine Aus­führung als auch Lagerung normal ausgebildet, bis auf die waagrecht angeordneten Schauschlitze; es Hegt, wie erwähnt, zentrisch über dem Grundkreismittelpunkt. Die Aufstellung dieses Bussolenastrolabiums erfolgte auf einem Zapfenstativ mittels eines Messingringes und zwei zueinander senkrecht angeordneten Klemm­schrauben. Das Instrument selbst liegt außermittig zum Messingring und kann durch ein Kugelgelenk an den Arm seines Unterbaues geklemmt und durch drei Stell­schrauben waagrecht gestellt werden.

Auf der oberen Fläche des Grundkreises sind die Namen des Erfinders und Ver­fertigers des Instrumentes mit folgenden Worten angegeben:

Entworfen von Fr. H. Huber,

Ausgeführt von Reichenbach in Reichenhall.

Wer Huber ist, könnte vieUeicht durch eine Sonderuntersuchung ermittelt werden. Der Name Reichenbach hingegen läßt auf Georg von Reichenbach , 1 den berühmten Erfinder der Tachymetrie und der Wassersäulenmaschine, schließen, dem obiges Bussoleninstrument gewiß keinen Abbruch seines Namens verursachen würde, wenn es von ihm verfertigt worden wäre. Reichenbach lebte zwar in München, doch ist auch ein zeitweiliger Aufenthalt im nahen Reichenhall nicht ausgeschlossen. VieHeicht war Huber ein Salinenbeamter oder Markscheider in Berchtesgaden. Die Zeit, aus der das Bussoleninstrument in Astrolabienbauart stammt, ist somit um das erste Viertel des 19. Jahrhunderts, etwa um 1820, anzusetzen. Ein ähnliches Bussoleninstrument mit dazugehörigem Stativ, etwa aus der gleichen Zeit und vom Kohlenbergbau Wölbling in Niederösterreich stammend, ist im Technischen Museum in Wien vorhanden. 2

Rittingers und Luschins Bussoleninstrumente.

Die folgende Entwicklung der Bussoleninstrumente möge nun noch rasch an- gedeutet und das eine oder andere Instrument etwas näher beschrieben werden. Im Jahre 1851 erfand P. v. Rittinger ein Visierinstrument, das sowohl eine mit Dioptern ausgestattete Zielbussole, als auch eine Art Winkelweiser zur Aufhängung

1 Georg v. Reichenbach, geb. 1771 in Durlach, gest. 1826 in München.

2 Inv.-Nr. 9672.