Heft 
1940: Siebentes Heft : Die Entwicklung des Markscheidewesens im Lande Österreich / von Franz Kirnbauer
Entstehung
Seite
81
Einzelbild herunterladen

Winkelmessung.

81

Leobener Lehrkanzel für Markscheidekunde vertreten ist. 1 Im Österreichischen hieß der WinkelweiserKoni paß Stäbchen. Die in Leoben befindlichen Instrumente stammen aus dem 18. Jahrhundert und haben entweder, wie noch Voigtel angibt, ein hölzernes Richtscheit mit Messingdraht oder aber einen Messingarm, an dem auch die Schnur zur Aufhängung des Kompasses durch einen steifen Messingdraht ersetzt ist (Bild 62). Für diesen letztgenannten Winkel weiser war eine Spreizenaufstellung vorgesehen. Der Gebrauch des Winkelweisers war folgendermaßen:

Statt eine Verziehschnur zu spannen und daran Hängekompaß und Gradbogen zu hängen, befestigte man den Winkel weiser an einem Stempel der Grubenzimmerung oder bei Obertagsmessungen oder -zulegungen auf einem Stockstativ und erfaßte mittels des Abschauens das Ziel. Abwechselnd wurden dann Hängekompaß und Gradbogen angehängt und das Streichen sowie Steigen oder Fallen der Sicht des Winkelweisers abgelesen.

Der Winkelweiser hat sich in der Hand des Markscheiders ziemlich lange gehalten, besonders in Sachsen muß er beliebt gewesen sein. 1811 lobt ihn noch Studer. Gegen die Dreißiger­jahre des vergangenen Jahrhunderts kam der Winkelweiser außer Gebrauch und fand 20 Jahre später, 1852, eine Wieder­auferstehung in Form des RiTTiNGERschen Visierinstru­mentes. Eine neuerliche Gestalt erhielt er 1879 in Form des Hangezeugs von F. W. Fuhrmann. 2 Aus einer Bemerkung J. G. Jugels 3 1744 geht hervor, daß man in eisengestörten Gruben den Winkelweiser so anwandte, wie später die Rit- TiNGERschenKreuzschnüre, d. h. man maß mit dem Kompaß nicht magne­tische Streichen, sondern Zugwinkel, diese aber in nicht vollkommen einwandfreier Weise, da sich beim Ablesen für den ersten und den zweiten Schenkel des Winkels der Kompaß an zwei verschiedenen Stellen des Raumes befand und somit ver­schiedenen AblenkungsVerhältnissen unterworfen war.

Bussoleninstrument von Huber-Reichenbach.

Die Leobener Lehrkanzel für Markscheidekunde besitzt ein etwa aus der Zeit um 1820 stammendes, wertvolles Bussoleninstrument in Form der Astrolabien 4 (Bild 63).

Es ist aus Messing verfertigt und besteht aus einem halbkreisförmigen Lagekreis, auf dem mittig ein neigbares Abschauen mit Höhenkreis in Quadrantenform auf­gesetzt ist. Der Lage- oder Grundkreis hat einen Durchmesser von 140 mm, ist in Grade geteilt und rechtsinnisch von 0 bis 180 beziffert. Er kann mittels eines Nonius, der vortragend und von 0 bis 10 beziffert ist, unmittelbar auf ein Zehntel Grad ab­gelesen werden. Auf der Fläche des Grundkreises ist eine Bussole in eine Vertiefung eingelassen. Der Kompaßring ist widersinnisch von 0 bis 360 geteilt und in ganzen

1 Inv.-Nr. VC 1, VC 8, VC 12.

2 P. Wilski, Markscheidekunde, 1. c., II., S. 119.

3 J. G. Jugel, Berg-, Bau-, Schmelzwesen und Markscheiden. Berlin 1744. P. Wilski, Markscheidekunde II., S. 118.

4 Inv.-Nr. VC 54.

Bild 63. Bussolen- instrumentvon Huber und Reichenbach aus der Zeit um 1820.

Geschichte der Technik, 7. Heft.

6