84
Die instrumenteilen Grundlagen.
seinen Teilen. 1 P. v. Rittinger war Montanist und österreichischer Sektionsrat und lebte 1811 bis 1872.
Abgesehen von der schon vorhin besprochenen Schmalkalder Bussole stellt das Plesio meter von Luschin das jüngste und letzte Bussoleninstrument dar, bei dem noch ein Abschauen statt eines Fernrohrs angewandt wurde (Entwicklungsreihe V). Dieses „Plesiometer“ oder ,,Annäherungsmesser“ genannte Instrument 2 ist ähnlich einer Zulegeplatte gebaut, auf der sich eine Bussole mit langer Balkennadel befindet. Der Stundenring ist widersinnisch in 1 x24 Stunden und in 4x90° geteilt, wobei Ost und West als Nullpunkte bezeichnet sind. Ein am Kompaßstift aufgehängtes Pendel schwingt bei lotrechter Lage des schwenkbar angeordneten Kompasses an dieser Teilung vorbei. In der Mitte der Schmalseiten der Zulegeplatte ist ein abnehmbares Doppelabschauen angebracht, das Sichten bis zu 36° Steigung gestattet. Zur Waagrechtstellung des Instrumentes dienen zwei in einer runden Dose untergebrachte, senkrecht aufeinandergestellte und auf dem Zulegezeug befindliche Libellen. Schräg gegenüber dieser Libellendose ist ein rundes Messinggewicht als Ausgleich gegen das Libellengewicht angebracht. Die Zulegeplatte mit dem Kompaß ist auf einer Messingstange angeschraubt und um eine Achse drehbar, die von zwei Kniegelenken, die nach unten hin in eine Stativhülse übergehen, getragen wird.
Aufgestellt wird das Instrument auf einem Dreifuß mit eigentümlich geformten Klauen an den Fußenden. Die Messung erfolgt obertags und bei nicht ablenkenden Verhältnissen in der Grube mit Springständen. Man zielt mit dem Kompaß, immer Nord voran, und verzeichnet das Streichen, biegt sodann die Kompaßplatte im unteren Kniegelenk um 90° herum, wodurch die Abschauen eine waagrechte Lage bekommen und bestimmt nun den Neigungswinkel nach beiden Zielrichtungen. Die Längenmessung erfolgt mit dem Meßband. Zum Einwägen bedient man sich zweier neben den großen Abschauen angebrachten kleineren Querabsehen.
Im abgelenkten Gebirge arbeitet man mit dem Plesiometer von Stand zu Stand und mißt dabei die Scheitelwinkel wie bei der Kompaßmessung mit den Rittinger- schen Kreuzschnüren oder mit dem Hilfshängezeug von Reichelt. Das Plesiometer wurde um die Jahrhundertwende dort angewendet, wo es sich um rasch durchzuführende, bloß annähernd genaue Messungen handelte. Heute ist es in den Markscheidereien nicht mehr anzutreffen, sondern durch die einfachen ,,Steigertheodolite“ ersetzt.
Fer n r oh rkom passe.
Die Zieleinrichtungen der bisher besprochenen Bussoleninstrumente waren durch Abschauen, die zumeist aus Schauschlitz und Pferdehaar bestanden, gegeben. Seit Fraunhofers Zeiten ist an Stelle dieser Abschauen ein kippbares Fernrohr getreten, so daß wir Fernrohrkompasse vor uns haben. Diese sind zwar nicht allzu zahlreich verbreitet gewesen, doch gibt es auch einige österreichische Ver-
1 Inv.-Nr. 9672.
2 Das Plesiometer „Patent Luschin“. Ein compendiöses Instrument zur Durchführung gutangenälierter Meßoperationen im Bergbau- und Forstwesen. Osten*. Zeitschr. f. Berg- u. Hüttenw. XXXIX. Jg., Wien 1891, sowie Separatabdr. (Leoben, Lehrkanzel f. Markscheidekunde, Inv.-Nr. II, 357).