Winkelmessung.
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und mit einem kunstvoll geformten und verzierten Pendel für Neigungsmessungen ausgestattet ist. Das hierzu vorgesehene Gradbogensegment weist merkwürdigerweise eine tg-Teilung auf und trägt zur Aufnahme von Ritzmarken auf der einen Seite eine Rille mit rotem, auf der anderen Seite eine Rille mit blauem Wachs. Das Gerät ist aus Messing verfertigt und vergoldet. Es ist schön ziseliert und trägt außer der genannten Jahreszahl 1599 die Anfangsbuchstaben des Verfertigers ,,C. T.“.
Höhenwinkelmeßgerät mit Abschauen.
Die Leobener Sammlung besitzt weiters ein ob seiner einfachen Ausführung bemerkenswertes Winkelmeßgerät, 1 das aus der Zeit um 1750 stammt und allem Anschein nach nur für Obertagsmessungen von Höhen winkeln in der Hand des Markscheiders war (Bild 65). Die Zeitbestimmung des Instrumentes konnte auf Grund der Ziffernform sowie gewisser Ähnlichkeiten in Bau und Ausführung mit der aus dem Jahre 1746 stammenden Neigenfeind sehen Zielbussole erfolgen. Das Winkelmeßgerät besteht aus zwei je 42 cm langen hölzernen Schenkeln, die mittels eines Gelenks miteinander verbunden sind. Der obere Winkelschenkel trägt an seinen beiden Enden je ein umklappbares Abschauen. Diese sind aus starkem Messingblech geschnitten; durch Aussägen der entsprechenden Zwischenräume ist ein schräggestelltes Sehkreuz hergestellt. Dieses Sehkreuz ist selbstverständlich auf dem einen Diopter oberhalb, auf dem anderen Diopter unterhalb des Schauloches angeordnet. Zur Winkelmessung dient ein viertelkreisförmiger, in 90° geteilter messingener Zahnkreis mit einem Zahnrädchen als Führung und Hemmung.
Eisenscheiben mit Abschauen auf Stuhl.
Die in einem früheren Abschnitte besprochenen Eisenscheiben waren bekanntlich Instrumente mit einer mechanischen Verkörperung der Winkelschenkel. Ein gewaltiger Schritt in ihrer Weiterentwicklung trat ein, als man den bisher gebräuchlichen Zeiger für den Schnurzug durch Anbringung eines Abschauens, sonach durch eine Ziellinie, ersetzte. In der Leobener Sammlung befinden sich zwei solcher Eisenscheiben mit Abschauen auf Stuhl, und zwar eine ohne und eine mit Höhenkreis. 2 Nach einer Angabe in den Sammlungsniederschriften stammen beide Instrumente aus Kitzbühel in Tirol. Es ist somit anzunehmen, daß die Anregung zu ihrer Entstehung von Tiroler Markscheidern ausging. Auf Grund der barocken Ausführungsformen sind beide Eisenscheiben als gleichaltrig anzusprechen und in die Zeit um 1780 einzureihen. Beide Instrumente sind aus Messing verfertigt. Da diese Tiroler Eisenscheiben für die Entwicklung der Markscheiderinstrumente, insbesondere
Bild 65. Höhenwinkelmeßgerät mit Abschauen aus der Zeit um 1750.
1 Inv.-Nr. VC 51.
2 Inv.-Nr. VC 24a und b.