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Die instrumentellen Grundlagen.
kommt das geometrische Quadrat erstmals um das Jahr 1000 n. Chr. vor. Seine volle Bedeutung erlangt es durch Georg Purbach (1423 bis 1461), der es auch als Winkelmesser einführte (um 1450). 1 Die historische Instrumentensammlung der Leobener Lehrkanzel für Markscheidekunde besitzt ein solches geometrisches Quadrat mit Abschauen, 2 das etwa aus der Zeit um 1700 stammen dürfte (Bild 64). Ort der Herkunft und Hersteller des Instrumentes sind unbekannt.
Das geometrische Quadrat ist aus Holz verfertigt und auf einem gedrechselten hölzernen Fuß aufgestellt. Es hat eine Größe von 204 X 204 mm und wird von einem
breiten Messingrahmen umgeben. Dieser trägt an seinem Außenrande eine Grad- teilung, die an der Waagrechten mit Null beginnt und nach aufwärts und abwärts ansteigt. An der Innenseite des messingenen Rahmenlineals jedoch, sowohl am oberen und unteren Rande als auch an einem dazwischen befindlichen Verbindungslineal, ist eine regelmäßige Dezimalteilung mit der Bezifferung 0 bis 200 angebracht; am Vertikallineal beginnt sie in der Mitte und reicht beiderseits von 0 bis 100. Diese Bezifferung stellt vermutlich ein altes Grubenmaß (Lachter) dar. In der Mitte der linken Seite des geometrischen Quadrats ist ein 284 mm langes, 12 mm breites Visierlineal mit Abschauen befestigt, dessen Unterkante, da diese als Ziellinie dient, eine Teilung trägt. Eine Stellschraube kann das Höhenlineal in der Zielstellung festklemmen. Zum Zwecke der Lotrecht- stellung des Quadrats ist seitlich ein Pendelzeiger vorhanden. Auf der Rückseite der Holztafel ist ein Höhenkreisquadrant mit einem Eisenpendel angebracht, um auch Neigungen ohne Zielung messen zu können. Der Quadrant ist in 90° geteilt, mit Null an der Lotrechten beginnend. Die Ziffern sind vermutlich gestanzt, der Höhenkreis ist in das Holz eingerissen.
Vergoldetes Zielgerät für Neigungsmessungen.
Dieses aus dem Jahre 1599 stammende Zielgerät wurde bereits im Abschnitt „Wachsscheibenmethode“ besprochen (Bild 13). 3 Es ist ein 105 mm hohes Zielgerät, zum Aufsetzen, das ein kippbares, dünnes Schaurohr mit Augenblende davor besitzt
1 F. Schmidt, Geodätische Instrumente im Altertum und Mittelalter, S. 246, Neustadt a. d. Haardt 1935.
2 Inv.-Nr. VC 52.
3 Lehrkanzel für Markscheidekunde. Leoben, lnv.-Nr. VC 43.
Bild 64. Geometrisches Quadrat aus der Zeit um 1700.
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