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Die instrumenteilen Grundlagen.
Schnellplan-Eisenscheibe.
Mit diesem Namen belegte ich ein nur einmalig vorhandenes Markscheiderinstrument, das im Technischen Museum zu Wien aufbewahrt wird 1 und aus Hall in Tirol stammt (Bild 67). Es ist etwa in die gleiche Zeit wie die beiden vorher beschriebenen Kitzbüheler Eisenscheiben, demnach um 1780, einzureihen. Mit dem Namen ,,Schnellplan-Eisenscheibe“ wollte ich, ähnlich den heutigen „Tachygrapho- metern“, andeuten, daß das Instrument die Möglichkeit besitzt, gemessene Lagewinkel rasch, und zwar unmittelbar anstatt eines Ablesungsergebnisses auf Papier auf ge tragen zu erhalten.
Anstatt nämlich die zu messenden Grundrißwinkel an einer Teilung abzulesen, wird die mittels eines am Höhenkreis kippbar angebrachten Abschauens festgelegte Ziellinie mit Bleistift auf einem kreisrunden Papier auf ge tragen, das mittig dem Lagekreis des Instrumentes aufgelegt wird. Das ,,Zu- legen“ der Ziellinie geschieht mittels eines doppelten Alhi- dadenarmes, dessen eine Seite als Ziehkante ausgebildet ist und an einer Seite eine Klemmschraube besitzt. Der Höhen- kreis ist in Grade geteilt, mit Null an der Lotrechten beginnend. An einer Seite besitzt das Instrument einen winzig kleinen, in einem rechteckigen Gehäuse untergebrachten Kompaß, der nur ganz untergeordneten Orientierungsmessungen gedient haben kann, da sich die Nadel nur um einige Grade aus der Nord-Südlinie bewegen konnte. (Dieser kleine Kompaß ist der erste Nachweis einer Kastenbussole.) Der Alhidadenarm weist an seinen Enden eine gekröpfte Verlängerung auf, so daß man ihn einerseits gut anfassen, anderseits dieses kleine Kompaßgehäuse überschritten werden kann. Eine im Höhenkreisständer befindliche Öse und ein Senkelring deuten an, daß die waagrechte Aufstellung des Instrumentes mittels eines eingehängten Senkels geschah. Die Schnell- plan-Eisenscheibe endigt in einen Zapfen, der drehbar in einer Steckhülse ruht und einen Zahntrieb zur Feineinstellung besitzt. Abschauen und Anordnung des Höhenkreisständers haben eine gewisse Ähnlichkeit in der Ausführung mit einer noch später zu besprechenden ,,Höhenscheibe“, die von einem Instrumentenmacher namens Jakob Strasser zu Hall in Tirol angefertigt wurde, so daß die Möglichkeit besteht, daß auch dieses einzigartige Markscheiderinstrument, die Schnellplan-Eisenscheibe, aus seiner Hand stammt. Besonders erwähnenswert ist noch die altertümliche Form des zeitgenössischen Stativs, worauf das Instrument aufgestellt ist, das durch seine kunstvoll gedrechselten, schmalen Beine auffällt, von denen eines fest angebracht und zwei beweglich angeordnet sind.
Bild 67. Schnellplan- Eisenscheibe aus der Zeit um 1780.
Astrolabien.
Wir kommen nunmehr zur Besprechung der Astrolabien genannten Markscheiderinstrumente. Das Wort „Astrolab“ oder „Astrolabium“ stammt aus dem
1 Inv.-Nr. 9673.