Winkelmessung.
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Griechischen 1 und bezieht sich auf die ursprünglich astronomische Anwendung des Instrumentes. Die astronomischen Astrolabien waren hängend benutzte Instrumente mit Winkelteilung, Schattenquadrat und Diopterlineal auf der Rückseite, während die Vorderseite äußerst komplizierte Gravierungen der stereographischen Projektion der Himmelskreise und ein darüber drehbares Netz der Ekliptik und der wichtigsten Sterne aufwies, die zur mechanischen Auswertung der gemessenen Sternhöhen für verschiedene astronomische, astrologische und geographische Aufgaben dienten. Aus diesen Instrumenten entstanden mit der Zeit für geodätische und markscheiderische Zwecke und solche der Seeschiffahrt vereinfachte Instrumente, die nur mehr der ebenen Winkelmessung von Lagekreisen dienten, dann aber, unter Beibehaltung des Namens, mit Vorrichtungen zur Messung von Höhenkreisen versehen wurden.
Das erste markscheiderisch verwendete Astrolabium oder „Scheibeninstrument“ ist uns durch den sächsischen Markscheider August Beyer in seiner 1749 zu Schneeberg i. Sa. erschienenen „Markscheidekunst“ überliefert. Es besteht aus einem ringförmigen Teilkreis, auf dem darauf verdrehbar zwei Diopter angeordnet sind.
Ein solches Astrolabium aus etwas späterer Zeit und aus dem Salzbergbau Aussee stammend, besitzt das Technische Museum in Wien. 2 Das Instrument ist in Messing ausgeführt und besitzt eine dreifache Teilung. Es hat einen vollen Teilkreis von 220 mm Durchmesser, der rechtsinnisch in 2 X 180° und in 1 X24 Stunden sowie widersinnisch in 2 X 180° geteilt ist. Die unmittelbare Ablesung an den Grad- teilungen beträgt 30', diejenige an der Stundenteilung eine sechzehntel Stunde. Der Teilkreis ist waagrecht auf einer Steckhülse befestigt und wurde somit mittels eines Zapfenstativs auf gestellt. Auf dem Teilkreis ist drehbar ein Alhidadenarm mit Abschauen angebracht. Die Zeit, aus der das Instrument stammt, ist für 1780 bis 1800 anzusetzen.
Aus den Astrolabien mit einem vollen, 360° betragenden Teilkreis, entwickelten sich durch Weglassung einer Hälfte neue, als „einfache Astrolabien“ zu bezeichnende Instrumente. Die Sammlung des Leobener Markscheideinstituts besitzt zwei solche „einfache Astrolabien“ 3 , welche aus der Zeit um 1780 bis 1800 stammen (Bild 68). Das eine Instrument trägt die Inschrift „Brüder Voigtländer in Wien“, das andere den Namen ,,J. C. Voigtlander in Vienne“.
Die Astrolabien bestehen aus einem in Messing ausgeführten, halbkreisförmigen
1 F. Schmidt, Geodätische Instrumente und Verfahren im Altertum und Mittel- alter, 1. c., S. 257. — Bei den Griechen lautete der Name „Astrolabos“, bei den Arabern „al-asturlab“, und wird meist hergeleitet vom griechischen astron, Stern, und lambano, ich fasse, ergreife. — F. Schmidt bringt eingehende Mitteilungen über die alten astronomischen und geodätischen Astrolabien, 1. c., S. 253 bis 277. — Auch A. Rohde, Die Geschichte der wissenschaftlichen Instrumente am Beginn der Renaissance bis zum Ausgang des 18. Jahrhunderts, Leipzig 1923, bringt mehrere Abbildungen alter astronomischer Astrolabien.
2 Inv.-Nr. 9663/1.
3 Leobener Markscheide-Institut, Inv.-Nr. VC 56a und b.
Bild 68. Einfaches Astrolabium aus der Zeit um 1780.