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1940: Siebentes Heft : Die Entwicklung des Markscheidewesens im Lande Österreich / von Franz Kirnbauer
Entstehung
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Die instrumenteilen Grundlagen.

Lagekreis von 365 mm Außendurchmesser, an welchem in der Richtung 0180° ein Abschauen mit Schauschlitzen fest angebracht ist, während ein zweites Ab­schauen an einer Alhidade verdrehbar angeordnet ist. Die unmittelbare Ablesung am Grundkreis beträgt 10', vermittels einer Skala an der Alhidade 2'. Ein In­strument hat die Skala außen angebracht, das andere nach innen gerichtet.

Entwicklungslogisch muß es nun auch ein markscheiderisches Astrolabium gegeben haben, das, wie eines der beiden soeben beschriebenen Astrolabien, aus einem halbkreisförmigen Grundkreis bestand, auf dem dann ein Höhenkreis mit Abschauen angebracht war. ln den mir bekannten Sammlungen ist keine solche Ausführung vorhanden, doch entspricht ihr im Grundsatz zum Beispiel vollkommen das unter den Bussoleninstrumenten im vorigen Abschnitt beschriebene Instrument in Astro­labienbauart von Huber-Reichenbach , 1 2 das aus der Zeit um 1820 stammt und auf das hier der Vollständigkeit hal­ber verwiesen wird. (Bild 63.)

Eine neue, letzte Form der im österreichischen Mark­scheidewesen in Verwendung gestandenen Astrolabien stellt das folgende, entwicklungsgeschichtlich äußerst wertvolle und wichtige Instrument dar. Es ist dies ein in der Leobener Sammlung befindliches Astrolabium mit Höhenkreis und Hilfsabschauen am Grund­kreis (Bild 69). Da es gewissermaßen einen Abschluß in der Entwicklungsreihe der markscheiderischen Astrolabien bildet, rechtfertigt sich seine eingehende Beschreibung.

Zur Lagewinkelmessung ist ein Halbkreis von 335 mm Durchmesser vorhanden, der in 20' geteilt ist und mittels einer Skala auf dem Alhidadenarm auf beiden Seiten auf 2' unmittelbar abgelesen werden kann. Der Grundkreis ist sowohl rechtsinnisch als 'auch widersinnisch von 0180° beziffert. In fester Verbindung mit dem Lagekreis ist unterhalb dieses ein um eine waagrechte Achse kippbares Abschauen angeordnet, das auf der Einblickseite ein in einer Schlittenführung waagrecht ver­schiebbares Plättchen trägt, worin sich die Schauöffnung befindet. Dieses Abschauen liegt parallel zur 0180°-Linie des Lagekreises. Dieser ist samt der auf ihm be­findlichen Zielvorrichtung durch eine Sehnenschraube feineinstellbar, wobei letztere auf einen mit dem Zapfenunterbau fest verbundenen Arm wirkt.

Ober dem Lagekreis ist mittig eine Zielvorrichtung, lotrecht über dem Kreis­mittelpunkt drehbar, angeordnet. Sie besteht aus zwei Abschauen, die beiderseits ein Ziel- und Schauloch besitzen, wobei die Form des Zielloches, das aus zwei recht­winkelig angeordneten, aber nicht bis zur Mitte reichenden Keilzacken besteht, bemerkbar ist, so daß der Zielpunkt frei bleibt. Dieses Abschauen wird von der oberen Kante des verlängerten Durchmessers eines als Halbkreis ausgebildeten Höhenkreises getragen. Dieser ist in 2x45° geteilt, mit Null in der Lotrechten be­ginnend, und gibt daher unmittelbar Höhen- bzw. Tiefenwinkel an. Ein Kennstrich

1 Leobener Sammlung, Inv.-Nr. VC 54.

2 Inv.-Nr. VC 57.

Bild 69. Astrolabium mit Höhenkreis und Hilfs­abschauen am Grund­kreis, aus der Zeit um 1800.