Winkelmessung.
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erlaubt eine unmittelbare Ablesung am Höhenkreis auf 1 j 2 Grad, eine Schätzung auf 1 / 10 Grad ist noch möglich. Die Kippung der Zielvorrichtung wird durch ein Zahnritzel bewerkstelligt, das in dem als Zahnkranz ausgebildeten Innenteil des Höhenkreises eingreift. Höhenkreis und Abschauen sind vom Grundkreis abnehmbar.
Das Astrolabium, das ganz aus Messing verfertigt ist, ist für Dreifußaufstellung auf einem Zapfenstativ eingerichtet. Es ist vermittels eines Kugelgelenkes und einer Klemmschraube aufzustellen. Zur Waagrechtstellung wurden wahrscheinlich Se'tz- libellen verwendet. Das Instrument besitzt auf dem Träger des Höhenkreises einen Körner, so daß seine Einlotung unter einem Firstpunkt in der Grube möglich war.
Am Grundkreis ist der Name des Herstellers ,,Voigtländer Wien“ eingeritzt. Das Instrument stammt aus der Zeit um 1800 und hat zweifellos einen hohen Seltenheitswert. Seine doppelte Zielvorrichtung ist ähnlich wie beim alten Quadranten, dem einstigen Hauptinstrument für geodätische Vermessungen.
Spezialinstrument mit zwei Fernrohren und zwei Dioptern nach Art
der Astrolabien.
Ein in seinen Zwecken nicht mehr erkennbares, aus dem Jahre 1794 stammendes Spezialinstrument mit zwei Fernrohren und zwei Dioptern besitzt die Lehrkanzel für Markscheidekunde in Leoben 1 (Bild 70). Das Instrument besteht aus einem messingenen Grund- kreis von 290 mm Durchmesser, dessen rechtsinni- sche Teilung 360°, durchlaufend beziffert von 10 zu 10 Graden, beträgt und auf dem die Bezeichnung ,, Py ref inch London“ angebracht ist. Auf diesem Lagekreis sind zwei verdrehbare Fadendiopter angeordnet. Das eine Abschauen besitzt beiderseits eine Unterteilungsskala, mit der auf 1 / 12 Grad bis 5 Minuten unmittelbar abgelesen werden kann. Uber diesem ersten Diopter ist ebenfalls verdrehbar ein zweites Fadendiopter ohne Skalen-, nur mit Strichablesung, angebracht, das zwei Fernrohre trägt. Die Strichmarken dieses Ab- schauens haben die Bezifferung 180 und 3dt). Die beiden Fernrohre können um eine lotrechte Achse gedreht, um eine waagrechte Achse gekippt und in einem Messingring klemmend verschoben werden. Beide Fernrohre sind astronomisch und weiters waagrecht (normal zur Richtung zum Diopter) vermittels zweier kleiner Schrauben zu verstellen. Auf dem ersten Fadendiopter ist durch einen Schlitz ein Kreisbogenstück aus Messing verschiebbar angebracht, das in seiner Stellung durch eine Schraube geklemmt werden kann. Am Fernrohrträger sind die Worte eingraviert:
Amandus Gasto Comes ä Mottet invenit Christianus Wilhelmus Voigtlaender fecit Ao 1794.
Bild 70. Spezialinstrument mit 2 Fernrohren und 2 Abschauen nach Art der Astrolabien von Gasto und Voigtländer aus dem Jahre 1794.
1 Inv.-Nr. VC 53.