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1940: Siebentes Heft : Die Entwicklung des Markscheidewesens im Lande Österreich / von Franz Kirnbauer
Entstehung
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Winkelmessung.

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labium genanntes Instrument aber jemals ausgeführt wurde, ist ungewiß. Das Fernrohr stellt einen wesentlichen Bestandteil des Theodolits dar. In größerem Um­fang konnten Theodolite erst Verbreitung finden, nachdem Fraunhofer die Kunst gelehrt hatte, billige kleine optische Linsen zu schleifen, so daß nunmehr Fernrohre für die Messungszwecke der Feldmesser und Markscheider möglich waren. Fraun­hofers Arbeitsgefährte, Georg v. Reichenbach, wandte als erster drei Stell­schrauben zur Theodolitaufstellung an. Julius Weisbach machte 1851 in seiner Neuen Markscheidekunst die Markscheider mit dem Gebrauch des Theodolits bekannt. 1 Die allgemeine Einführung des Theodolits in die Grube beginnt somit um die Mitte des vergangenen Jahrhunderts.

Über die Geschichte des Fernrohrs wissen wir, daß die Optiker und Brillen­macher Zacharias und Johann Jansen in Middelburg in Holland 1590 ein Fernrohr gebaut hatten und es über Wunsch des Prinzen Moritz von Nassau geheimhielten, ln ihrem Geschäft war der Glasschleifer Lipperhey tätig, der sich später selbständig machte und 1609 Fernrohre in den Handel brachte. Hiervon erfuhr 1610 Galilei und baute sogleich ebenfalls ein derartiges Fernrohr. 2 Dieses holländische oder GALiLEische Fernrohr hat bekanntlich als Objektiv eine Sammellinse, als Okular eine Zerstreuungslinse. Es ist im Markscheidewesen nicht üblich geworden. Der Astronom Johannes Kepler gab ein Fernrohr an, das sowohl als Objektiv als auch als Okular eine Sammellinse besitzt. Diese Art Fernrohr heißt heute KEPLERsches Fernrohr. Die Fernrohre Galileis und Keplers waren noch ohne Fadenkreuz. 1630 brachte Francesco Generini als erster eine Art Fadenkreuz in das Fernrohr. 3 Im 18. Jahr­hundert wurde das KEPLERsche Fernrohr noch durch die Verwendung von je zwei Linsen für das Objektiv und Okular verbessert und ein solches Fernrohr wird heute als geodätisches Fernrohr bezeichnet.

Für astronomische Zwecke wurde das Fernrohr seit Kepler und Galilei ver­wendet, für geodätische Messungen aber, wo es sich um leichte, handliche Instrumente handeln mußte, vergingen 200 Jahre, bis der erste brauchbare Theodolit durch Georg von Reichenbach um 1804 entstand. Die ersten Theodolite hatte der Eng­länder J. Ramsden 1783 gebaut und gegen Ende des 18. Jahrhunderts wieder mehr­fach verbessert. Heute ist der Theodolit (Bild 102) zum unentbehrlichsten Instru­ment in der Hand des Markscheiders geworden und seine Ausführungsformen, seine Bedeutung oder seine Meßverfahren schildern zu wollen, hieße Wasser ins Meer tragen, angesichts der Tatsache ausgezeichneter Lehrbücher, Sammlungeu und Schulungsmöglichkeiten jedes Bergingenieurs und Markscheiders. 4

16. Jahrhundert. (Nach Poggendorf, Annalen der Physik u. Chemie, Bd. 133, S. 192 u. 349, u. Mitteilung von F. Aubell).

1 P. Wilski, Markscheidekunde I., 8.78.

2 P. Wilski, Markscheidekunde I., S. 52.

3 J. A. Repsold, Zur Geschichte der astronomischen Meßwerkzeuge von Purbach bis Reichenbach 1450 bis 1830, S. 41, Leipzig 1908.

4 Bloß als Anmerkung sei auf einige Besonderheiten hingewiesen. Die Repetitions­messung wurde bereits von Tobias Mayer d. Ält. für Astrolabien 1782 erfunden, um den Teilungsfehler auszuschalten, und von Weisbach und Gauss auf die Theodolitmessung ausgedehnt. Die Leobener "Sammlung besitzt einen Tachymetertheodolit von E. Schneider aus der Zeit um 1885 mit verschiebbarer Ziellinie im Fernrohr. Zahlreiche

Geschichte der Technik, 7. Heft.

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