Winkelmessung.
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Die einfachste, jedoch nicht älteste, uns durch Agricola überlieferte Aufstellungsart eines Instrumentes ist die für die „einfachen Wachsscheiben“ damals gebräuchlich gewesene Boden- oder Brettaufstellung. Die Wachsscheiben hatten einen Schlitz und wurden mittels einer eisernen Schraube an einem Brett festgeschraubt. Wir können für die Brettaufstellung etwa 5 cm Höhe als Pfostenstärke annehmen.
Die nächst höhere, dagegen älteste Art der Aufstellung eines Instrumentes ist die Stuhlaufstellung, wie sie uns für Setzkompasse aus dem Hallstätter Schinbuch vom Jahre 1528 bezeugt ist und wahrscheinlich auch hier für die Wachsscheibenkompasse in Gebrauch war. Für die Tätigkeit des Verschinens wird im Hallstätter Schinbuch der Ausdruck „Stuhl setzen“ verwendet. 1 Wir kennen für diese Art der Kompaßaufstellung einen etwa 40 cm hohen, dreibeinigen Stuhl, da das „Schwazer Bergbuch“ einen solchen mit daraufgelegtem Kompaß abbildet (Bild 4).
Aus dem gleichen Jahre wie Agricolas BrettaufStellung, aus dem Jahre 1550, ist uns eine dritte Art der Aufstellung für Setzkompasse, nämlich eine niedrige Stockaufstellung bekannt. Diese Art der KompaßaufStellung ist uns ebenfalls aus dem „Schwazer Bergbuch“ durch die gleiche Abbildung überliefert (Bild 4). Es waren dies schön gedrechselte, etwa 40 cm hohe Stöcke, wie durch Vergleich der Größenmaße aus den Bildern ersehen werden konnte, und worauf eine Art Holzteller befestigt war, auf den man dann den Kompaß setzte.
Zum Unterschied von der niedrigen Stockaufstellung kennen wir auch eine hohe Stockaufstellung. Diese ist teils aus Abbildungen, teils durch noch wirklich vorhandene Stockstative bekannt. Wir dürfen etwa 1 m Höhe für die hohe Stockauf- stellung annehmen. Die Aufstellung des Kompasses auf einem einfachen dünnen Stock kennen wir aus einem Kupferstich in C. Weigels berühmtem bergmännischen Trachtenbuch, 2 worin ein mit dem Wachsscheibenkompaß ziehender Markscheider abgebildet ist. Diese Art der Aufstellung war im Harz und vielleicht auch im Sächsischen Erzgebirge um die Mitte des 10. Jahrhunderts gebräuchlich. Aus der gleichen Zeit kennen wir die im Salzkammergut üblich gewesene hohe Stockaufstellung, da in der Leobener Sammlung der Lehrkanzel für Markscheidekunde mehrere solcher Stockteile aus der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts aufbewahrt sind.
Es sind dies schön gedrechselte kurze Stücke aus Eichenholz, die mit Spindelund Hohlgewinde versehen sind, so daß je drei Stück zu einem etwa 1 m hohen Stockstativ zusammengesetzt werden konnten. Schinzeug und Setzkompaß wurden auf diesen Stock entweder aufgesetzt oder aufgeschraubt. Zum Lotrecht stellen wurden, wie wir gesehen haben, kleine Setzwaagen verwendet.
Aus dem Jahre 1011 stammt, wie früher dargelegt, die erste Nachricht der A u f h ä n g u n g eines Kompasses in Form einer Zeichnung auf einer Ausseer
1 F 1 . Kirn bauer, Älteste Dokumente deutschen Markscheidewesens. Mont. Rundschau. 27. Jg. (1935), Nr. 20, S. 6. — Die bezügliche Stelle lautet: „Es ist zuuernemen in wass gestalt vnd Mass die schin Zogen ist. Der erst stuell vnnd Compast ist gestanden vorm Mundloch kaiser Maximiliansperg.“
2 C. Weigel, Abbildung und Beschreibung derer sännntlichen Berg-Werks-Beamten und -bedienten nach ihrem gewöhnlichen Rang und Ordnung im behörigen Berg-Habit. Taf. 9. Nürnberg 1721.