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Die instrumenteilen Grundlagen.
Grubenkarte und für die Zeit um 1650 wird aus Rösslers „Hell-polierter Berg-Bau- Spiegel“ die erste Spreizenaufstellung bekannt.
Eine etwa 1,60 m hohe Dreifußaufstellung ist uns aus dem Salzkammergut und aus dem Jahre 1698 überliefert (Bild 57). Es ist auf einer Hallstätter Grubenkarte, 1 die Mathias Styger in diesem Jahre anfertigte, eine ganze Gruppe Markscheider mit ihren Instrumenten bei der Arbeit abgebildet , wobei als Hauptgerät ein mit einem Abschauen und einem geometrischen Quadrat ausgestatteter Zielkompaß dient, der auf einem hohen, mit drei kurzen Beinchen versehenen Stativ aufgestellt ist. Bemerkenswert ist, daß die drei Stativfüße nicht grundrißförmig im gleichseitigen Dreieck angeordnet sind; zwei Füße sind eng nebeneinander und zueinander parallel, der dritte ist in entgegengesetzter Richtung zu ihnen befestigt.
Hundert oder etwas mehr Jahre später war im Salzkammergut eine Art Stangenaufstellung für Hängekompasse üblich, für die etwa 1,70 m Höhe anzunehmen ist. Sie ist uns aus einer Zeichnung solcher Stangen in der „Manipulations-Beschreibung“ Laurenz Buchgrubers aus dem Jahre 1808 überliefert 2 (Bild 85).
Aus der Zwischenzeit, insbesondere gegen Ende des 18. Jahrhunderts, war dann eine etwas höhere Stuhlaufstellung in Gebrauch, wie sie uns von den heute in Leoben befindlichen zwei Eisenscheiben auf Stuhl bekannt ist (Bild 66). Es sind dies etwa 60 cm hohe Stühle. Auch Giuliani benützte im Jahre 1798 für sein „Catageolabium“, den ersten Vorschlag für einen Grubentheodolit, eine Art Stuhlaufstellung, indem er ein niedriges vierbeiniges Tischchen zeichnet (Entwicklungsreihe VII). Von der Stuhl aufstellung der Leobener Eisenscheiben bis zu der heute gebräuchlichen Stativaufstellung mit ausziehbaren Beinen von etwa 1,30m Höhe sind uns aus der Zwischenzeit verschiedene Entwicklungsformen bekannt, die hier nur angedeutet werden mögen (Entwicklungsreihe VII, unterste Reihe). Der Vollständigkeit halber ist noch die seit Ende des 18. Jahrhunderts aus Deutschland und Böhmen bekannte Bockaufstellung für Hängekompasse zu erwähnen, die sich in Oberungarn bis vor Weltkriegsbeginn erhalten hatte. Für diese Verziehböcke sind etwa 50 cm Höhe anzusetzen. Endlich sind noch die neuzeitige Arm auf Stellung für Theodolite verschiedener Bauart sowie die in Holland und Deutschland gebräuchliche Theodolitaufhängung anzuführen.
Setzwaagen.
Setzwaagen werden im Markscheidewesen verwendet, um Instrumente oder Ebenen waagrecht bzw. senkrecht darauf stehende Umdrehungsachsen lotrecht zu stellen. Setzwaagen sind Pendelgeräte, deren Setzfläche senkrecht zum Pendel liegt, ln früheren Jahrhunderten wurden Setzwaagen im Markscheidewesen häufig verwendet, heute sind sie im markscheiderischen Instrumentenbau durch Libellen verdrängt und finden nur untergeordnete Anwendung im Bergbau in Form von sogenannten „Setzlatten“, um bei Streckenauffahrungen ein verlangtes Sohlsteigen zu erreichen oder überprüfen zu können.
1 Grubenkarte H XVI, O.-Ö. Landesarchiv, Linz a. D.
2 Handschriftliche „Manipulations-Beschreibung“ des oberösterr. Salzwesens. Aufbewahrt im O.-Ö. Landesarchiv, Linz a. D., Zeichen V/5, 26.