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1940: Siebentes Heft : Die Entwicklung des Markscheidewesens im Lande Österreich / von Franz Kirnbauer
Entstehung
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Einwägen.

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llo. 55: Sotyenwag .... gleiche Dermenbimg beim DoügnmMegen.'' 1

Als wesentlichstes neues Salzberginstrument des beginnenden 19. Jahrhunderts haben wir somit den Wehrkompaß kennengelernt, der mit einer mechanischen Schnurzugalhidade ausgestattet ist, wie sie 250 Jahre früher Agricolas Alpenkom­paß hatte. 2 In der Zeit um 1808 waren also im Salzkammergut zu Markscheider­arbeiten, insbesondere aber zu Neuverschinungen des Werkes und Bestimmung des Sohlsteigens von Schachtrichten, Kehren und Sinkwerken dieFirstenwag und ,,Sohlenwag'Gradbogen,Ebenwag und das ,,Wagstabl sowie derWehr­kompaß in Verwendung.

3. Einwägen.

Das Ein wägen oder Nivellieren ist eine der ältesten markscheiderischen Tätigkeiten im Bergbau. Es war bei der Auffahrung von Stollen und anderen Einbauen nötig, ebenso bei der Bestimmung von Bergfesten oder der Höhenunterschiede ein­zelner Sohlen. Wasserwaagen und Schrot- oder Lotwaagen sind die ältesten Ein Wägegeräte. Mit den ersten Nachrichten über bergmännische und markscheide­rische Streitigkeiten hören wir auch von der ,,Wag, die festgestellt zu werden pflegte. Dies geschah mit Gradbögen oder mit Gradbogensegmenten, die deshalb auch den Namen ,,Bergwaage oderErdwaage führten (Bild 53, 54 und 83). Solche Bergwaagen sind uns auf zahlreichen Grubenkarten des 17. und 18. Jahr­hunderts zeichnerisch überliefert. Aus dem Jahre 1755 ist uns Rothes Berg­waage bekannt, weiters als Pendelwaagen v. Hanstadts oberungarische Nivellierwaage aus dem Jahre 1835 und Beers Sohlwaage aus dem Jahre 1856. 3 Im Salzkammergut-Bergbau wurden besondere Sohl- und Firstenwaagen an- gewendet, die uns aus der soeben erwähnten Beschreibung Buchgrubers vom Jahre 1808 erhalten sind (Bild 86). Die Leobener Hochschulsammlung 4 besitzt ein Nivellierinstrument aus der Zeit um 1780 bis 1800 in Form eines kommunizierenden Gefäßes. Das Glasrohr ist 91 cm lang und 1 Zoll licht und hat zwei seitlich angebrachte waagrechte messingene Schauschlitze. Das Glasgefäß ist auf einer kurzen Standsäule befestigt und konnte auf ein Zapfenstativ aufgesetzt werden. Dies wären ungefähr die wichtigsten Glieder in der Entwicklung des Einwägens in Österreich mittels einer mechanischen Waagrechten, welche Tätig­keit auch Staffeln heißt. Das Nivellieren mittels einer optischen Waagrechten, also mittels des Fernrohrs, führten Huyghens, Römer und Picard um 1680 ein, die jeder ein Nivellierinstrument bauten. 5 Keiner benützte jedoch die Röhrenlibelle zur Erreichung der Waagrechten, sondern nur das alte Prinzip der Pendelwaage. Die Röhrenlibelle 6 zur Herstellung einer waagrechten Zielachse erfand 1660 Theve-

1 Als Hollgrundlegen wurde in den Salzbergbauen des Kammergutes das Einlegen von Wasserlutten in die Wassersaige bezeichnet.

2 Den gleichen Grundsatz, bloß ohne Kompaß, weist in neuester Zeit das Schnur­tachymeter von Zdarski auf.

3 Abbildungen bei P. Wilski, Markscheidekunde I., 1. c., S. 40.

4 lnv.-Nr. VC 38.

5 Huyghens und Picarös Instrument, abgebildet bei P. Wilski, Markscheide­kunde I., 1. c., S. 39.

6 Das Wort Libelle hat nichts mit dem Flattern des gleichnamigen Insektes zu tun,

Geschichte der Technik, 7. Heft.

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