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1940: Siebentes Heft : Die Entwicklung des Markscheidewesens im Lande Österreich / von Franz Kirnbauer
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Die instrumenteilen Grundlagen.

not, der Bau der Dosenlibelle wird P. v. Giuliani und Tobias Mayer d. J. um 1797 bis 1798 zugeschrieben. * 1 Möglicherweise ist die Dosenlibelle aber eine Er­findung des Österreichers Liesganiü, der bereits vor 1785 ein Nivellierinstrument mit Fernrohr 2 baute und durch seine Basismessung bei Wiener-Neustadt berühmt ist. 3 In weiterer Folge entwickelten sich die Nivellierinstrumente bis zu den heutigen Feinwägeinstrumenten, woran auch Österreicher, wie Tichy, rühmlichst beteiligt sind. Fine besondere Art von Einwägeinstrumenten stellen die Grubennivellier­instrumente dar, an deren Entwicklung um die Jahrhundertwende herum Cseti und später Dolezal gebührenden Anteil haben. Doch liegt es nicht im Rahmen dieser Arbeit, auf die neuzeitige Entwicklung der Nivellierinstrumente und der Einwäge- verfahren einzugehen, da sie den einschlägigen Quellen leicht entnommen werden können.

4. Längen- und Winkelauftraggeräte.

Mit der ersten Wiedergabe im Bergbau gemessener Längen und Winkel ist auch der Bedarf an Geräten, die zu diesen Zwecken geeignet waren, aufgetreten. Solange das Zulegen gemessener Längen in natürlicher Größe erfolgte, sei es auf einem ebenen Feld 4 oder auf dem Eis des Inns oder der Salzkammergutseen, solange genügte das Längenmeßgerät selbst, mit dem die Messung der Längen in der Grube ausgeführt worden war. Für die Auftragung im Verhältnis 1 : 1 war daher der Maß­stab das erste Längenauftraggerät des Markscheiders. Und für das Zulegen von Winkeln obertags im Freien wurden die Kompasse verwendet, mit denen die Schin oder Vermessung ausgeführt worden war.

Mit der Erfindung des Zulegens auf Papier und dem Verkleinern der gemessenen Längen, also der Herstellung der Grubenkarten, trat auch der Bedarf für kleine handliche Zeichenmaßstäbe ein, sowie die Notwendigkeit, besondere Winkelauftrag­geräte zu schaffen. Über die Herkunft der ältesten Grubenkarten nicht nur des österreichischen, sondern auch des gesamtdeutschen Bergwesens, wird in einer an­deren Veröffentlichung berichtet werden. Es sind dies Salzberg-Grubenkarten aus Hall in Tirol aus dem Jahre 1531 und 1534. 5 Wir können demnach auch annehmen, daß sich in Tirol die ersten Längen- und Winkelauftraggeräte für markscheiderische Zwecke entwickelt haben.

Über die Längenauftraggeräte ist im allgemeinen nicht viel zu sagen. Der Maßstab blieb Maßstab. Die Zeichenmaßstäbe wurden mit verjüngten Teilungen versehen, die dem Maßstab der zu zeichnenden Karte entsprachen und die dem Ge-

sondern ist die Verkleinerungsform zu libra = Waage, libella = kleine Waage. Der Name des Insektes ist bloß gleichen Ursprungs.

1 F. Wilski, Markscheidekunde I., S. 38.

2 P. Wilski, Markscheidekunde I., S. 160. Lempe, Markscheidekunst, S. 453. 1785.

3 F. Aubell, Die österreichische Gradmessung J. Liesganigs 1762. Rektoratsrede Leoben 1931.

4 Das Hallstätter Schinbuch 1527/1528 ist das älteste Zeugnis für diese Kunstübung österreichischer Markscheider. Vgl. F. Kirnbauer, Älteste Dokumente, 1. c., Fortschr. u. Forschg., 1. c., S. 526.

5 F. Kirnbauer, Die Anfänge des Markscheidewesens in Österreich. Mitt. d. Verb, d. Österr. Ing.- u. Arch. -Vereinig., Bd. 4. Wien 1936.