Längen- und Winkelauftraggeräte.
115
schmack der Zeit folgend auch öfters schmückend graviert wurden. Pikiernadeln dienten zur Festhaltung der Punkte, so wie heute, auch schon in früherer Zeit. Unter den „Winkelauftraggeräten“ sind hingegen mehrere Entwicklungsformen, zweischenkelige Winkelauftraggeräte und Winkelscheiben, festzustellen. Diese sollen daher näher besprochen werden.
Winkelauftraggerät aus dem Jahre 1595.
Das älteste mir bekannt gewordene Winkelauftraggerät wird in der Lehrkanzel für Markscheidekunde zu Leoben aufbewahrt. 1 Es ist äußerst kunstvoll gearbeitet und deshalb von hohem Seltenheitswert; es stammt aus dem Jahre 1595 und trägt neben dieser Zahl noch die Initialen des Verfertigers, „H. Gr.“, in Bein graviert. Das Gerät (Bild 87, 88 und 89) stammt laut einer Eintragung im Leobener Instrumentenverzeichnis aus Klagenfurt. Es besteht aus zwei hölzernen, mittels einer Messingscharniere miteinander verbundenen Winkelschenkeln und einem messingenen Viertelkreisbogen zum Zwecke der Winkeleinstellung. Dieser Bogen, der 10 mm breit und 2,5 mm stark ist, ist im unteren Winkelschenkel starr befestigt und wird vermittels einer rechteckigen Ausnehmung durch den oberen beweglichen Winkelschenkel reibungslos geführt.
Der Viertelkreisbogen ist auf der Vorderseite in 12 Halbstunden geteilt, jede Halbst linde noch in 16 Teile, so daß die unmittelbare Ablesung oder Einstellung 1 / 16 Halbstunde beträgt, kleinere Winkel bis x / 64 Halbstunde jedoch noch geschätzt werden können. Die Rückseite des viertelkreisförmigen Winkelbogens ist in 90 Grade geteilt, die unmittelbare Ablesung beträgt 1 Grad, die Schätzungsmöglichkeit x / 4 Grad. Die beiden Winkelschenkel sind prächtig gearbeitet und stellen dem Kunstsinn des unbekannten Markscheiders und Verfertigers das allerbeste Zeugnis aus. Das verwendete Holz ist von dunkelbrauner Farbe und vermutlich Eibe oder ein exotisches Edelholz. Sowohl die beiden Längsseiten beider Mittelschenkel als auch ihre Ober- und Unterseiten tragen reichgravierte, in den Farben wunderbar zueinander abgestimmte Beineinlegarbeiten, die von bedeutsamem Verständnis und von beachtenswerter kunsthandwerklicher Formenschönheit des Verfertigers zeugen. Die teils dunkelbraungrün, teils hellrot ausgeführten Gravuren und roten Ziffern auf hellem Bein heben sich vom umgebenden dunkelbraunen Holz der Winkelschenkel mit vollendeter Klarheit ab. Die Vorderseite der beiden Winkelschenkel trägt an den einander zugekehrten Rändern eine Zollteilung zum Aufträgen von Längen. Die Teilung ist’ 11 Zoll je 24,85 mm lang, jeder Zoll ist noch in 8 Teile
2 Inv.-Nr. VC 60.
Bild 87. Winkelauftraggerät aus dem Jahre 1595, Eisenerzer Kompaß mit Nadelklemmung aus derZeit um 1650, Setzgradbogen um 1750.
8 *