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Die instrumenteilen Grundlagen.
andere vorhanden, darunter eine solche mit drehbarem Lineal und einer Klemmvorrichtung; 1 die Winkelscheibe ist in Grade geteilt, jeder Grad durch 5 Punkte in 10 Minuten unterteilt. Die Bezifferung läuft beiderseits von 0 bis 180°.
Bild 90 zeigt eine Halbkreiswinkelscheibe mit Bussole und schwenkbarem Lineal, etwa aus der Mitte des 18. Jahrhunderts stammend, wie an den die Kompaßbüchse seitlich begrenzenden Delphinen erkenntlich ist. Als Name des Erfinders oder Verfertigers ist „Jodocus Deens Inn Wienn“ eingraviert. Das Doppellineal war mit einer Ziehkante versehen und je ein Pikierloch daselbst auch angebracht’ Drei Ösen am äußeren Rand der Winkelscheibe dienten zu ihrer Befestigung auf dem Papier und dem Reißbrett. Die Winkelscheibe
weist eine Transversalteilung in 180° auf, deren äußerer Rand im Sinne, deren innerer Rand entgegengesetzt dem Sinne des Uhrzeigers beziffert ist. Dadurch, daß je ein Grad durch 6 Transversalkreise unterteilt wird, können Winkelauftragungen bis 10' Genauigkeit in unmittelbarer Ablesung vorgenommen werden.
V ollkr eis winkelscheiben. Entwicklungsmäßig müssen wir uns nun als nächste Stufe der Winkelauftragsgeräte nach den Halbkreiswinkelscheiben die Vollkreis winkelscheiben ansehen. Es ist anzunehmen, daß gleichzeitig oder kurz nach den Halbkreiswinkelscheiben, etwa im letzten Drittel des 16. Jahrhunderts, schon die ,,Vollkreise“ als Winkelscheiben erfunden wurden, zu deren Handhabung jedoch die vorherige Aufzeichnung eines Winkelkreuzes auf dem Zeichenpapier und Einorientierung des Kreismittelpunktes darnach Voraussetzung waren. Um diesem unpraktischen Verfahren abzuhelfen, wurden Vollkreiswinkelscheiben mit gekennzeichnetem Mittelpunkt von unbekannten Erfindern hergestellt, die es nun dem eine Vermessung auf- tragenden Markscheider sofort gestatteten, rasch Winkelscheitel und Kreismittelpunkt in Deckung zu bringen. So kennen wir eine Vollkreiswinkelscheibe mit drehbarem Lineal mit Ziehkante 2 aus der Zeit um 1750, die sich im Technischen Museum zu Wien befindet, und eine Vollkreis winkelscheibe mit drehbarem Stundenring und Lineal mit Ziehkante, die die Leobener Lehrkanzel besitzt (Bild 91). Dieses Gerät ist ob seiner Einmaligkeit, seiner gediegenen Ausführung und seines hohen Alters besonders bemerkenswert. Es ist aus Messing verfertigt, hat einen Außendurchmesser von bloß 95 mm und stammt aus der Zeit um etwa 1650. Die
1 Inv.-Nr. VC 27.
2 Eine Auftragbussole mit drehbarem Lineal mit Ziehkante aus dem Jahre 157!) von Erasmus Habermel, dem berühmten sächsischen Feinmechaniker dieser Zeit, befindet sich im Mathematisch-Physikalischen Salon zu Dresden (W.Nehm, Markscheidewesen aus dem Harz, 1934, S. 42 und 43).
Bild 91. Vollkreis-Winkelscheibe mit Auftraglineal aus der Zeit um 1650.
f 1 /* der nat. Größe.)
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