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Die bergmännische Winkeleinteilung in „Stunden“ ist selbstverständlich von der Zeiteinteilung genommen. So wie man den Tag in 24 Stunden oder in 2x12 Stunden (Tag und Nacht) einteilte, so teilte man den Kreisumfang in 24 gleiche Teile und benannte die Einheit „Stunde“. Es ist zu vermuten, daß diese „Stundeneinteilung“ zugleich mit den ersten Kompassen im Bergwesen aufkam. Tatsache ist weiter, daß sie sich bis auf den heutigen Tag im ostmärkischen und gesamtdeutschen Bergbau erhalten hat, wo man noch immer „die Stunde hängt“ oder das Streichen einer Lagerstätte
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mit dem Geologenkompaß „Stunden“ angibt.
Die ältesten, aus der Zeit um 1550 bis 1600 stammenden, erhalten gebliebenen österreichischen Kompasse sind sämtliche in 1 X 24 Stunden geteilt und jede Stunde in 4 oder 8 Teile wieder unterteilt. Im Altreich scheint jedoch von Anfang an zuerst eine Kompaßteilung in 2x12 Stunden allgemein üblich gewesen zu sein, da ein gewisser Stigler 1767 die fortlaufende Bezifferung des Kompasses von 1 bis 24 „die neue Art der Einteilung“ nannte. 1 Lempe sagt, sie sei in Ungarn üblich gewesen.
Bekanntlich werden unsere Bogen- und Winkelgrade heute in Minuten und Sekunden unterteilt.
Diese Benennung der Unterteilung ist selbstverständlich ebenfalls, so wie die Stundenbenennung, vom Zeitmaß genommen. Es gelang mir der Nachweis der ersten schriftlichen Aufzeichnung der markscheiderischen Unterteilung der Kompaßstunde in Minuten schon für eine erstaunlich frühe Zeit. Das Hallstätter Schinbuch nämlich, das aus den Jahren 1527/1528 stammt, bezeugt mehrmals die Unterteilung der Markscheiderstunde in Minuten 2 (Bild 96). 3 Ich vermute, daß eine „Kompaßminute“ nicht, wie bei der Zeiteinteilung, den 60. Teil einer „Stunde“ betrug, sondern 1 / 64 derselben, da die Unterteilung einer Stunde in 8 Achtel und dessen Weiterunterteilung in gleiche 8 Teile, wie vorhergehend ausgeführt, auf uns überkommen ist.
Bild 96. Beispiel einer Seite aus dem Hallstätter Schinbuch vom Jahre 1528.
1 P. WlLSKI, 1. c., II., S. 112.
2 F. Kirnbauer, Die ältesten Dokumente deutschen Markscheidewesens. Mont. Rundschau, 27. Jg., Nr. 20, S. 1—6, Wien 1935.
3 Die bezügliche Stelle lautet:
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